Spannendes Finale in Straßburg

teli

Von teli

Sa, 27. Juni 2020

Ortenaukreis

BLICK INS ELSASS: Sonntag entscheidet sich das Rennen um den Straßburger Rathauschefsessel / Corona lässt Elsässer baden gehen.

Es ist nur ein Katzensprung von der Ortenau ins Elsass und in die quirlige Europastadt Straßburg. Was sich jenseits des Rheins tut, beleuchtet unser "Blick ins Elsass".

Boom für Poolbauer

Wer heute im Elsass einen Pool für seinen Garten bestellt, wird ihn erst im nächsten Jahr bekommen: Der Markt für private Schwimmbecken boomt; die Unternehmen, die sie anbieten, verzeichnen laut einem Bericht der Straßburger Tageszeitung Dernières Nouvelles d’Alsace bei den Bestellungen Zuwächse von bis zu 230 Prozent. Frankreich galt vor der Corona-Pandemie als der größte Markt für private Swimmingpools in Europa und der zweitgrößte weltweit. Und obwohl das Elsass nicht gerade zu wärmsten Regionen Frankreichs zählt, ist der Anteil an Privatpools hier am zweithöchsten im Land. Die Ausgangssperre und die eingeschränkten Reisemöglichkeiten in diesem Sommer haben die Nachfrage so weit ansteigen lassen, dass sie kaum noch gedeckt werden kann. Dazu kommt, dass viele Poolbesitzer während der Corona-Krise offenbar das Bedürfnis entwickelt haben, diesen renovieren oder modernisieren zu lassen. Der Trend geht laut Zeitungsartikel zum Infinity-Pool und generell zu kleineren, aber sehr gut ausgestatteten Wasserbecken. Trotz des krisenbedingten Absturzes der Wirtschaft machen sich die befragten Poolverkäufer keine Sorgen: Auch nach der Finanzkrise 2008 hätten die Aufträge im Folgejahr wieder angezogen. Die beste Werbung wäre ein weiterer heißer Sommer.

Strassburg hat die Wahl

In 37 Städten und Gemeinden im Unter-Elsass wird am Sonntag gewählt, 25 davon haben weniger als 1000 Einwohner. In allen übrigen Kommunen des Départements wurde die Kommunalwahl bereits im ersten Wahlgang am 15. März entschieden. Normalerweise hätte der zweite bereits am Sonntag darauf stattfinden sollen, musste dann wegen der sich verschärfenden Corona-Krise aufgeschoben werden. Zu den Urnen gerufen sind die Wahlberechtigten in Séléstat, Wissembourg, sowie in Illkirch-Graffenstaden, in Ostwald und natürlich in Straßburg. Dort geht ein harter Wahlkampf zu Ende, der zu einigen Verwerfungen geführt haben dürfte: Völlig überraschend und entgegen aller Ankündigungen haben sich der Erste Beigeordnete Alain Fontanel (La République en Marche) und Jean-Philippe Vetter (Les Républicains) kurz vor Abgabeschluss auf eine gemeinsame Liste verständigt, während die Fusionsverhandlungen zwischen den Grünen mit Jeanne Barseghian an der Spitze und den Sozialisten unter Führung von Ex-OB Catherine Trautmann gescheitert waren, obwohl deren Wahlprogramme einen deutlich höheren Anteil an Gemeinsamkeiten aufweisen, als die von Fontanel und Vetter. Dem scheidenden Oberbürgermeister Roland Ries werfen jahrelange Mitstreiter, die bis zuletzt noch Teil der Stadtregierung waren, Verrat vor, weil er trotz dieser Fusion seines Ersten Beigeordneten mit Vertretern der rechtskonservativen Opposition eine Wahlempfehlung für Alain Fontanel ausgesprochen hat. Ironie der Geschichte: Auch Fabienne Keller, Ries’ größte Widersacherin seit der Jahrtausendwende, wirbt für die Wahl der Fontanel-Vetter-Union. Auch wenn sich aus der Addition der Wahlergebnisse von Fontanel und Vetter aus dem ersten Wahlgang eine Favoritenrolle ableiten lässt, bleibt der Wahlausgang am Sonntag dennoch spannend. Entscheidend könnten nämlich die Wählerinnen und Wähler sein, die beim ersten Wahlgang zu Hause geblieben sind – das waren immerhin zwei Drittel der Wahlberechtigten.

Flieger starten wieder

Mit einem Flug von Straßburg nach Bastia hat vorvorige Woche der Betrieb am Flughafen Entzheim zaghaft wieder begonnen, nachdem zwei Tage zuvor ein Flug nach Lyon mangels Passagiere noch abgesagt worden war. Während der Corona-Hochphase waren lediglich Spezialflüge dort abgewickelt worden, zum Beispiel solche, die Pflegepersonal aus anderen Teilen Frankreichs ins von Corona-Infektionen besonders betroffene Elsass. Außerdem Flugzeuge mit schwerkranken Covid-19-Patienten, die in Krankenhäuser im Süden Frankreichs oder in Deutschland verlegt wurden. Mit Beginn der französischen Sommerferien Anfang Juli rechnet der neue Flughafenchef Renaud Paubelle, der sein Amt mitten in der Krise angetreten hat, mit zunehmender Reisetätigkeit. Der Billigfluganbieter Volotea will alle Inlandsziele wieder anfliegen, zusätzlich Biarritz, Sardinien, Sizilien und Griechenland. Wann Reisende wieder in Richtung Barcelona abheben können, ist noch unklar, ebenso wie die Verbindungen nach Israel. Anfang Juli soll sich das Angebot um Flüge nach Marokko, Algerien, Tunesien und in die Türkei erweitern. Doch selbst wenn sich die Flugbewegungen über den Sommer wieder dem Normalbetrieb annähern sollten, rechnet Flughafenchef Renaud Paubelle für 2020 mit einem mindestens 50-prozentigen Umsatzeinbruch. In der Folge sollen auch die geplanten Investitionen halbiert werden.

Krach vor der Wahl

Acht Tage vor dem zweiten Wahlgang der Kommunalwahlen in Frankreich hat es in der Straßburger Stadtregierung noch einmal richtig gekracht: Robert Herrmann, Präsident der Eurométropole de Strasbourg und Beigeordneter der Stadt Straßburg, hat in dieser Funktion seine Zuständigkeit für Messen und Märkte an Oberbürgermeister Roland Ries zurückgegeben. Herrmann ist aufgestoßen, dass es der OB selber war, der sich mit den Schaustellern der Foire Saint-Jean auseinandergesetzt hatte, um eine Lösung für den großen Jahrmarkt in Corona-Zeiten zu finden. Das Areal Kieffer, das Roland Ries den Schaustellern als Veranstaltungsgelände zugesagt hat, gehört der Eurométropole de Strasbourg. Damit die schweren Fahrgeschäfte dort aufgebaut werden können, sind nach Angaben von Robert Herrmann Investitionen von rund einer Million Euro nötig. Die Rechnung über eine solche Summe für einen provisorischen Jahrmarktstandort werde er nicht unterzeichnen, hat er gegenüber dem Fernsehsender France 3 erklärt. Die Auseinandersetzung der beiden Männer macht zweierlei deutlich: Zum einen den Dauerkonflikt zwischen den beiden Führungsfiguren, zum anderen ist die Frage nach einer dauerhaften Unterbringung der Foire Saint-Jean. Roland Ries erklärte, dass er zeitgleich mit der Presse von der Entscheidung Hermanns erfahren habe und dessen Aufgaben eben mit übernehmen werde.