Trägerversammlung

Sparkasse Markgräflerland rechnet mit deutlichen Corona-Folgen fürs laufende Jahr

Volker Münch

Von Volker Münch

Fr, 10. Juli 2020 um 08:03 Uhr

Müllheim

Noch kann die Sparkasse Markgräflerland zufrieden sein mit ihrer Bilanz – doch die Corona-Pandemie wird nicht folgenlos bleiben. Das wurde auf der Trägerversammlung deutlich.

Mit dem Jahr 2019 ist die Sparkasse Markgräflerland zufrieden. Dieses Fazit zogen der Verwaltungsratsvorsitzende und Oberbürgermeister von Weil am Rhein, Wolfgang Dietz, und Sparkassendirektor Ulrich Feuerstein bei der Trägerversammlung. Für das laufende Jahr erwartet die Sparkasse spürbare Auswirkungen der Corona-Pandemie.

Es sei nun das zweite Mal, dass die Welt und damit auch die Sparkasse in eine schwierige Lage geraten sei, sagte Dietz mit Blick auf die Bankenkrise vor gut zehn Jahren und aktuell die Corona-Pandemie. Mittelständische Geldinstitute wie die Sparkassen kämen mit solchen Situationen aus eigener Kraft gut zurecht und müssten nicht wie die Großbanken unter einen Rettungsschirm der Regierungen schlüpfen, machte Dietz mit seinen Ausführungen deutlich. Deshalb habe er kein Verständnis für die Attacken der Europäischen Kommission auf Sparkassen und Genossenschaftsbanken in Sachen Eigenkapitalsicherung. "Würde es Banken wie die Sparkasse nicht geben, dann müsste man sie heute erfinden", unterstrich der Verwaltungsratsvorsitzende die Leistungsfähigkeit besonders in Krisenzeiten.

Das Geschäftsjahr 2019

Bevor die Trägerversammlung das Prüfungsergebnis des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg und die Prüfbestätigung des Regierungspräsidiums als zuständige Aufsichtsbehörde positiv zur Kenntnis nahmen – beide Institutionen bescheinigten einen ordnungsgemäßen Jahresabschluss –, trug Sparkassendirektor Feuerstein die wichtigsten Eckdaten des Jahresabschlusses vor.

So schloss die Sparkasse Markgräflerland mit einer Bilanzsumme von 2,6 Milliarden Euro ab. Das Kundenkreditgeschäft stieg um rund sechs Prozent auf 1,8 Milliarden Euro an, die neu zugesagten Darlehen beziffern sich auf etwa 341 Millionen Euro (2018: 346 Millionen), davon 216 Millionen auf Privatkunden und 109 Millionen Euro an Unternehmen und Selbständige. Die Kundeneinlagen stiegen um 5,5 Prozent oder 79,8 Millionen Euro. An der Position des Betriebsergebnisses wies die Bank für 2019 einen Betrag von 17,5 Millionen Euro aus, also rund 900 000 Euro mehr als im Vorjahr.

"Das bedeutet für uns: Um einen Euro zu erwirtschaften, mussten wir 67,6 Cent aufwenden. Wir liegen also knapp unter dem Wert des Vorjahres", erklärte Feuerstein. Der Jahresüberschuss von 4,4 Millionen Euro – im Jahr 2018 waren es fünf Millionen – sei in vollem Umfang dem Eigenkapital zugeführt worden. Unterm Strich verfügt die Sparkasse mit ihren 328 Mitarbeitern und 27 Auszubildenden über ein haftendes Eigenkapital in Höhe von 344,1 Millionen Euro.

Zur Sparkasse gehören zehn Geschäftsstellen, zwölf Selbstbedienungscenter und zwei Hauptstellen in Weil am Rhein und Müllheim. "An den beiden Hauptstellen wird sich auch nichts ändern", betonte Feuerstein mit Blick auf die Diskussion um die mittelfristige Konzentration der Verwaltung am Weiler Standort.

Das Geschäftsjahr 2019 sei wegen der Abkühlung der Wirtschaft zwar relativ holprig verlaufen, dennoch könne man zufrieden sein, zog Feuerstein ein Fazit. Der Sparkasse zugute käme dabei die eher ländliche Struktur, die weniger dramatische Auswirkungen erwarten ließe.

Corona und seine Auswirkungen

"Von jetzt auf sofort wurden wir durch Corona in eine neue Welt gestoßen", beschrieb der Sparkassendirektor das dynamische Ankommen der Pandemie im Markgräflerland. Die Geldinstitute müssten zwar für derartige Fälle entsprechende Pandemie-Pläne vorhalten, niemand habe aber ernsthaft erwartet, dass eine solche Situation so schnell eintreffen würde, sagte Feuerstein. "Unsere Mitarbeiter sind gesundheitlich gut durchgekommen", so die positive Nachricht. Er dankte den Kunden, die Verständnis für die Schließungen der Geschäftsstellen und für andere Einschränkungen gezeigt hätten. Die Sparkasse habe in dieser Situation den Kunden telefonisch und über digitale Kommunikationswege Unterstützung gegeben.

"Die Auswirkungen werden spürbar sein", wagte der Sparkassenchef eine erste Prognose. Bisher habe man für 700 von etwa 18 000 Darlehen Tilgungsaussetzungen veranlasst. Das Kundenkreditvolumen bis Ende Mai 2020 nahm um 51 Millionen Euro oder 2,7 Prozent zu, neu zugesagte Darlehen beziffern sich laut Feuerstein auf über 179 Millionen Euro. Trotz deutlicher Auswirkungen durch die Pandemie sehe der Sparkassenvorstand bisher keine ernsthaften Probleme für das laufende Jahr, vorausgesetzt, keine weiteren Erkrankungswellen brächten einschneidende Veränderungen. Überraschend sei angesichts der Situation die relativ hohe Kreditnachfrage.