Basketball

56:81 – die Frauen des USC Freiburg halten gegen Tabellenführer Keltern nur drei Viertel lang mit

Georg Gulde

Von Georg Gulde

Sa, 11. Januar 2020 um 23:59 Uhr

USC Eisvögel

Die Bundesliga-Basketballerinnen des USC Freiburg verlieren vor 1000 Zuschauern gegen Tabellenführer Keltern daheim – mit 56:81. Zwei Spielerinnen kommen dabei besondere Rollen zu.

Eine Woche nach der Niederlage im Pokal-Viertelfinale beim Titelaspiranten Keltern (65:78) wollten die Eisvögel das Punktspiel in der heimischen Unihalle offener gestalten. Drei Viertel lang (15:25, 19:18, 14:17) hatten die 1000 Zuschauer, sofern sie für den USC waren, die Hoffnung auf eine Überraschung nicht aufgegeben. Allerdings dürften nur die allergrößten Optimisten auf einen Erfolg der Heimmannschaft gesetzt haben, denn der Gast lag von der achten Minute an ständig mit etwa zehn Punkten in Führung. Und kamen die Breisgauerinnen mal etwas näher heran, erstickte Keltern die Freiburger Ambitionen prompt mit einem erfolgreichen Abschluss.

Verwunderlich war die Rollenverteilung nicht. Schließlich spielen im Team des Spitzenreiters und Meisters der Saison 2017/18 zehn Vollprofis aus sechs unterschiedlichen Ländern. Bei den Eisvögeln besteht die Mannschaft hingegen aus Schülerinnen, Studentinnen, Werktätigen – und dazu vier vor Saisonbeginn verpflichteten Profis aus den USA.

Mit zwölf Punkten Rückstand (48:60) ging der USC ins letzte Viertel – dann brach der Rhythmus, die Köpfe der Eisvögel gingen nach unten, so dass die Mannschaft aus dem Raum Pforzheim 21:8 Punkte in den letzten zehn Spielminuten erzielte und am Ende einen Vorsprung von 25 Punkten hatte. "Wir waren das bessere Team, aber gewiss nicht um 25 Punkte", sagte Kelterns Coach Christian Hergenröther. USC-Trainerin Hanna Ballhaus war nicht sauer über die Niederlage, sondern über die Art und Weise, wie sich ihr Team, das in die Playoffs der besten acht Mannschaften der Zwölfer-Liga will, im Schlussviertel präsentierte.

Auf die sonst übliche Kabinenansprache nach dem Spiel verzichtete das USC-Trainerduo Hanna Ballhaus/Isabel Fernandez, "weil sich das abnutzt, wenn wir immer wieder das Gleiche erzählen" (Ballhaus). Die Trainerinnen überließen die Kabine dem Team. Dort drängelte sich niemand vor, also übernahm die älteste Spielerin im Kader, die 43-jährige Mirna Paunovic, das Wort. "Wir müssen uns fragen, warum bei uns die Körpersprache nach ein, zwei schlechten Aktionen so schnell in den Keller geht", sagte sie. "Das ist schade, denn menschlich stimmt die Chemie im Team zu hundert Prozent", ergänzte sie.

Vielleicht ist das beim Team aus Keltern anders, wenn zehn Profis zusammenspielen und jeder ganz besonders auf die eigene Statistik achtet. Denn davon hängt unter anderem ab, ob die Profis in der kommenden Saison noch in der Bundesliga oder einer sportlich besseren und finanziell attraktiveren Liga im Ausland spielen können. In Freiburg präsentierte sich Keltern, das keine deutsche Akteurin im Kader hat, indes als Team, in dem Egoismen keine große Rolle spielen. Auffallend war, wie abgezockt die Mannschaft des Tabellenführers agierte.

Bezeichnend war die letzte Szene vor der Halbzeit: Ilze Jakobsone, im Vorjahr noch beim USC Freiburg unter Vertrag, fand 1,9 Sekunden vor Ende des Durchgangs bei einem Einwurf keine Mitspielerin, die sie hätte anspielen können. Also warf sie den Ball auf den Rücken von Luana Rodefeld, von dort landete das Spielgerät wieder in den Händen der Lettin, die dann an der verdutzten USC-Kapitänin vorbei zwei Punkte zum 43:34-Halbzeitstand erzielte.

Der USC Freiburg spielte mit: Fuehring (16 Punkte/davon 1 Dreier), Rodefeld (8), Nufer (2), Breen (10/1), Kranzhöfer, Genco (3), Kapitza (2), Hart (11/1), Paunovic (4), P. Mayer.