Breite Ablehnung gegen Münchner Plan

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Von dpa

Mi, 22. Juli 2020

2. Bundesliga

Drittligameister FC Bayern II will in die zweite Fußball-Bundesliga aufsteigen – und plädiert daher für eine Änderung der Regularien.

(dpa/gg). Die kleine Empörungswelle dürfte Herbert Hainer einkalkuliert haben. Kaum hatte der Präsident von Bayern München seine Gedanken für ein Aufstiegsrecht in die zweite Fußball-Bundesliga für Zweitvertretungen freien Lauf gelassen, meldeten sich die Mahner. Von Schalke bis Regensburg war man nicht von der Idee angetan, die Zweitvertretung der Bayern künftig im Kreis der 36 Bundesligisten am Tisch zu haben.

In der dritten Liga war Bayern II als Aufsteiger der gerade beendeten Saison überraschend Meister geworden – nach Platz 15 zum Ende der Hinrunde. "Bayern hat ganz andere Möglichkeiten als 99 Prozent der Clubs dieser Welt. Von der Fairness her ist es gut, so wie es ist", sagte der frühere Bayern-Profi Torsten Frings. Der Ex-Nationalspieler steht künftig als Trainer des SV Meppen an der Seitenlinie. Hansa Rostocks Vorstandschef Robert Marien ließ mitteilen, dass "im Extremfall die Gefahr einer Monopol-Stellung bestehen könnte". Gern gesehen sind Zweitvertretungen in der für sie maximal erreichbaren dritten Liga ohnehin nicht. Oft wurden Stimmen der Wettbewerbsverzerrung laut, wenn mal einige Profis aus dem Bundesliga-Team im Kader standen. Bayern II setzte aber nach dem Re-Start mehr auf A-Junioren als auf Erstliga-Profis.

Hainer begründete seine Idee im Bayern-Vereinsmagazin damit, dass Sportler immer nach dem Maximalen streben. Das tut der FC Bayern auch und deshalb dürfte das Streben nach Gewinnmaximierung dahinterstecken. Denn mittlerweile hat der Rekordmeister einen stattlichen Talente-Pool in seiner U 23 versammelt. Davon werden es am Ende nur wenige zum Erstliga-Team des FCB schaffen. In Liga zwei stünden die Spieler in einem größeren Schaufenster, wodurch sich womöglich einträglichere Ablösesummen erzielen ließen. Da wäre es zu verschmerzen, wenn die Mannschaft wie in Liga drei bei TV-Einnahmen außen vor wäre oder – wie schon jetzt – im DFB-Pokal nicht mitmachen darf. Zudem hätten in Liga zwei die Spieler eine andere Perspektive. Jüngst musste Bayern II seinen besten Spieler ablösefrei ziehen lassen. Liga-Torschützenkönig Kwasi Okyere Wriedt (24 Treffer) kam in München nicht weiter und nahm ein Angebot des niederländischen Erstligisten Willem II Tilburg an. Das tat auch Linksverteidiger Derrick Köhn.

Ging der Trend vor Jahren noch in die Richtung, dass Bundesligisten ihre U23 abschafften, so sind die "Zweiten" wieder in. Wolfsburg II kämpft seit Jahren um den Aufstieg in die dritte Liga, auch Borussia Dortmund will mit seinem Nachwuchs aus der Regionalliga raus. Die Konkurrenz ist davon ebenso wenig begeistert wie vom Vorschlag Hainers. "Das geht aus unserer Sicht in die komplett falsche Richtung", sagte Marcus Uhlig, Vorstandsboss von RW Essen. Vielmehr wünsche er sich ein englisches Modell, bei dem Zweitvertretungen in einem autarken Ligen-System spielen. In Spanien hingegen dürfen laut Statuten zweite Mannschaften auch in der zweiten Liga spielen.