Der FC St. Pauli steht mal wieder am Abgrund

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Von dpa

Mi, 12. Februar 2020

2. Bundesliga

Die Träume der Kiezkicker von der Rückkehr in die erste Bundesliga sind passé, nun geht es um den Klassenerhalt in der zweiten Liga.

HAMBURG (dpa). Vor zehn Monaten träumte Jos Luhukay vom Aufstieg mit dem FC St. Pauli binnen zwei Jahren in die Eliteklasse, nun sind die Kiezkicker dem Albtraum dritten Fußball-Liga deutlich näher. Nach dem schlechtesten Start in die zweite Saisonhälfte seit fünf Jahren und bei nur noch einem mickrigen Punkt Vorsprung auf den Relegationsrang ist der ehrgeizige Niederländer umgeschwenkt und hat offiziell den Abstiegskampf ausgerufen. "Man darf nicht die Augen verschließen. Wir müssen zusehen, dass St. Pauli in der zweiten Liga bleibt", gab der 55-Jährige nach der unglücklichen 1:2-Niederlage im Nordderby bei Holstein Kiel in den Stadion-Katakomben geknickt zu.

Auch wenn man ihm Henk Veermans Fehlschuss beim Handelfmeter in der Nachspielzeit (90.+5 Minute) nicht ankreiden kann: Wie sein Verein, so steht jetzt auch der mit großen Erwartungen nach Hamburg geholte Trainer-Routinier selbst massiv unter Druck. Denn seit er im April 2019 am Millerntor angetreten ist, den Fans attraktiven und erfolgreichen Fußball bieten zu wollen, war der Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit nie so groß. Vor allem fehlt Konstanz: Top-Auftritten wie gegen die Aufstiegskandidaten HSV (2:0), Bielefeld (3:0) und Stuttgart (1:1) folgen Grottenspiele wie zum Jahresauftakt in Fürth (0:3) oder die blutleere erste Halbzeit in Kiel. Besonders krass ist die Auswärtsmisere: Keines der 15 Spiele unter Luhukays Regie (seit dem 11. April 2019) in der Fremde wurde gewonnen. Der letzte Dreier als Gast gelang am 2. März 2019 Vorgänger Markus Kauczinski. Und der kommt am Freitag (18.30 Uhr) mit Dynamo Dresden zu seinem Ex-Club. Fest steht: Geht auch das Heimspiel gegen den Tabellenletzten schief, wird es für Luhukay eng. Zumal danach auch noch das prestigeträchtige Stadtderby beim HSV wartet.

Immerhin: Auch einigen Führungsspielern ist der Ernst der Lage klar. "Wenn wir es nicht schaffen, eine Positivserie zu starten, werden wir lange unten drinhängen", befand Keeper Robin Himmelmann. Daniel Buballa beschönigt ebenfalls nichts. "Es ist bitter und irgendwie verkorkst, aber im Moment sind wir mittendrin", räumte der Kapitän ein. Dass in Veermann, dem auch das 1:1 gelang (50.), ausgerechnet der derzeit zuverlässigste Torschütze beim Elfmeter versagte, wollte Luhukay diesem aber nicht krummnehmen: "Ich mache ihm da keinen Vorwurf. Er hat auch heute wieder ein fantastisches Tor für uns gemacht."

Bleibt abzuwarten, wie lange die Pauli-Verantwortlichen ruhig bleiben. Sportchef Andreas Bornemann – früher Manager des SC Freiburg – haderte mit dem Pech, denn kurz nach Veermans Elfmeter konnte dessen Stürmerkollege Viktor Gyökeres einen indirekten Freistoß im Kieler Strafraum nicht nutzen. "Das war eine spektakuläre Endphase mit einem nicht wirklich guten Ende für uns", sagte der Sportchef, wollte später aber keine weiteren Kommentare abgeben.

Präsident Oke Göttlich, der im November 2014 angetreten war, im Club für Kontinuität zu sorgen, hat schon mehrmals Handlungsbereitschaft bewiesen. Drei Sportchefs und vier Fußball-Lehrer wurden seither gewechselt. Trainer Nummer fünf bleibt kämpferisch und hofft schon im Abstiegskrimi auf die Wende zum Guten. "Gegen Dresden müssen wir es besser machen und die Punkte hierbehalten", forderte Luhukay. Was Hoffnung macht: Am Millerntor lief es zuletzt besser als auswärts.