Roman Rees behält die Übersicht

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Mo, 10. Februar 2020

Biathlon

Biathlet des SV Schauinsland demonstriert im IBU-Cup in Martell mit Rang drei im Massenstartrennen erneut seine Qualitäten.

MARTELL. Im Datacenter Biathlon kann man internationale Wettkämpfe digital perfekt verfolgen. Gestern beim IBU-Massenstartrennen von Martell (Italien) schien das System aber irgendwie zu spinnen, was zuvor noch nie vorgekommen war. Nachdem die Athleten das erste Mal geschossen hatten, tauchte keine Zwischenwertung auf. Und irgendwann pries einem das System einen Russen als führenden Biathleten an, obwohl der zuvor nur 22. war. Lauf-Zwischenzeiten gab es auch nur auf der ersten Runde.

Verantwortlich für das Durcheinander war das Massenstartrennen mit 60 Athleten. Normalerweise gehen bei diesem Wettkampfformat nur 30 Biathleten gleichzeitig auf die Strecke, weil es auch nur 30 Schießbahnen gibt. Mit 60 Startern war es gestern in Martell deshalb so, dass die ersten 30 Biathleten nach einer Runde (2,5 km) das erste Mal schossen und anschließend eine Doppelrunde (5 km) liefen und die anderen 30 zuerst eine Doppelrunde liefen und dann das erste Liegendschießen absolvierten. Danach wurde das Feld wieder zusammengeführt. Die Südtiroler hatten den IBU-Cup übernommen, nachdem die Veranstaltung am Arber abgesagt werden musste.

Biathlet Roman Rees vom SV Schauinsland behielt trotz des ungewohnten Rennformats und der dünnen Luft auf 1700 Metern Höhe die Übersicht. Beim ersten Liegendschießen hatte sich der gute Schütze zwar eine Fahrkarte geleistet und musste anschließend alleine laufen, während sich vor ihm acht Läufer an der Spitze abwechselten. Mit zwei makellosen Fünferserien arbeitete sich der Schwarzwälder jedoch wieder heran. Beim letzten Stehendschießen kam eine weitere Strafrunde dazu, weil aber auch die Konkurrenten patzten, ging Rees nur mit 4,2 Sekunden Rückstand auf den zweitplatzierten Lucas Fratzscher (WSV Oberhof) und 14,6 Sekunden auf den führenden Norweger auf die Schlussrunde. "Ich habe zwei, drei Mal an den Anstiegen versucht hinzukommen, aber irgendwie waren Fratzscher und ich etwa gleichstark", erzählt Rees. Eine Zeitlang sah es so aus, als könnten die beiden Deutschen den führenden Norweger noch einholen, "aber irgendwie zog er dann wieder davon", sagt Rees, "ich glaube, die Norweger hatten den besseren Ski".

Der 26-Jährige aus Hofsgrund hatte nach 20 Schüssen und 15 Kilometern als Dritter 11,5 Sekunden Rückstand auf den siegreichen Norweger Sturla Holm Laegreid und er lag 6,5 Sekunden hinter seinem deutschen Teamkollegen Fratzscher. "Mir gefallen diese Massenstartrennen. Ein Podestplatz im IBU-Cup ist immer ein Erfolg, das ist tipptopp", sagt der Biathlet vom Schauinsland.

Tags zuvor war Rees im IBU-Sprint an gleicher Stelle 21. geworden. In dem 113er-Feld lief er die viertbeste Zeit, was auch ihn nach fast drei Wochen Rennpause etwas überraschte: "Wir hatten zuletzt viel indoor trainiert, weil es ständig regnete und kein Schnee lag", erzählt Rees. Am Olympiastützpunkt in Freiburg gibt es ein breites Laufband, das Skiroller-Training zulässt. "Da kann man Tempo und Steigungsprozente einstellen. Das ist eine der besten Trainings-Ausweichvarianten, die es gibt", findet Rees.

Rees: "Vorbeischießen, das passiert halt mal"

Mit einer Trefferquote von nur 70 Prozent blieb der Hofsgrunder im Sprint von Martell jedoch deutlich hinter seiner sonstigen Quote zurück: "Wenn es liegend schon mit zwei Fehlern losgeht, ist man unter Zugzwang." Derartige Schwankungen am Schießstand kennt jeder Biathlet: Der Norweger Endre Stroemsheim, der den Sprint gewann, verfehlte im Massenstartrennen sechs Scheiben und wurde Sechster. Noch ein Beispiel: Der Franzose Martin Perrillat Bottonet, der im Sprint fehlerlos blieb und Zweiter wurde, ballerte im Massenstart ebenfalls sechs Mal vorbei und fand sich auf Rang 32 wieder. "Vorbeischießen, das passiert halt mal. Meine zwei Fehler liegend waren ganz knapp", sagt Rees.

Die deutsche Mannschaft bleibt in Martell, wo von Donnerstag bis Sonntag drei weitere IBU-Cup-Rennen bei den Frauen und Männern ausgetragen werden. "Mir gefällt es hier, schönes Bergpanorama", sagt Rees, "und wahrscheinlich bekommen wir vom Sturmtief, das kommen soll, im Schutz der Berge gar nichts mit".