Spürbares Aufbegehren

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 03. November 2019

Freiburg

Der Sonntag Messe Grünes Geld sieht sich durch Klimadiskussion im Aufwind.

Zum neunten Mal findet am Samstag im Historischen Kaufhaus die Messe Grünes Geld statt. 18 Aussteller präsentieren ihre Angebote zum umweltbewussten und ethischen Investieren.

Es herrscht Aufbruchstimmung. "Wir beobachten, dass die Kunden mittlerweile bewusst nachfragen, wohin das Geld fließt, das sie investieren", sagt Tobias Karsten. Karsten ist Mitarbeiter bei ECO-Eventmanagement, dem Ausrichter der Messe Grünes Geld. Seit dem Start vor 20 Jahren habe sich die Messe stabil entwickelt.

Wilfried Münch, Regionalleiter für Baden-Württemberg bei der nachhaltig ausgerichteten GLS Bank, ergänzt: "Fridays for future haben das Thema vom Kopf ins Herz gebracht." Das Wissen zum Klimawandel liege zwar bereits lange vor. Erst seit kurzem aber ließen sich Veränderungen bei den Kunden feststellen. "Nachhaltiges Investieren hat zwar noch keine gesellschaftlich relevante Größe erlangt. Aber: Grünes Geld verlässt die Nische", sagt Münch.

Die Zahlen seiner eigenen Bank belegen das eindrücklich. Belief sich die Bilanzsumme vor zehn Jahren noch auf knapp eine Milliarde Euro, sind es mittlerweile 6,5 Milliarden. Die Mitarbeiterzahl ist von 100 auf 600 gestiegen. Womit die Bank den Trend der Branche widerspiegelt. Erst jüngst hat das Forum für nachhaltige Geldanlagen seinen Jahresbericht vorgelegt. Die Zahlen zeigen: Grünes Geld wächst.

Mit insgesamt 219 Milliarden Euro lag das Volumen nachhaltiger Geldanlagen in Deutschland 2018 um mehr als 48 Milliarden Euro über dem Vorjahreswert. Dies entspricht einem Zuwachs von 28,2 Prozent. Nachhaltige Investmentfonds und Mandate wuchsen 2018 um 45 Prozent. Berücksichtigt man zusätzlich die Vermögen, für die Nachhaltigkeitskriterien auf Unternehmensebene verankert sind, lag die Gesamtsumme für verantwortliche Investments in Deutschland 2018 bei 1,53 Billionen Euro.

Was aber ist das überhaupt: Grünes Geld? "Es geht um bewusstes Investieren", erklärt Messeausrichter Karsten. Als nachhaltige Geldanlagen bezeichnen Experten Kapitalanlagen, die neben den finanziellen Kriterien, wie Rendite, Liquidität und Sicherheit, auch nach ökologischen, sozialen und ethischen Aspekten bewertet werden. Das Spektrum ist weit und reicht von Mikrofinanzierungen über Fonds, Banken, Energiekonzerne, nachhaltige Landwirtschaft bis zu Sachinvestitionen wie Aufforstungsprojekten. Münch und seine GLS Bank sind ein gutes Beispiel. Es gebe im Wesentlichen zwei Wege zum Grünen Geld, erläutert er. Einerseits stehen da taxonomische Richtlinien, die Investitionen nach bestimmten Kriterien unterteilen. "Wie ein Ampelsystem genehmigen diese Vorschriften, ob Kriterien erfüllt sind oder nicht." Industriezweige wie Atomkraft, Kohle, Kinderarbeit oder die Rüstungswirtschaft erhalten die rote Ampel. Diesen Weg geht beispielsweise die EU-Kommission, die mit ihren jüngsten Regelungen versucht, Kapitalflüsse in nachhaltige Investitionen zu lenken, um die internationalen Klima- und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

Die GLS-Bank geht einen anderen Weg. "Inhaltliche Auseinandersetzung nennen wir das." Will heißen, die Bank lässt Investitionen nicht einfach durch ein Raster laufen. Wobei auch die Bank mehrere Kriterien hat. So ist festgelegt, dass keine Investitionen in Ländern stattfinden, die Menschenrechte nicht beachten.

Gleichzeitig prüfen sie aber jeden Fall einzeln: So war das beispielsweise vor zwei Jahren beim amerikanischen Automobilhersteller Tesla. Einerseits stand da E-Mobilität als positiver Punkt. Andererseits war der Konzern durch einen Skandal aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen stark in die Kritik geraten. "Und so haben wir uns dazu entschieden, aufgrund dieser sozialen Missstände nicht mehr in Tesla zu investieren."

Ein weiteres Praxisbeispiel wäre die Oekogeno, die bundesweit soziale und regenerative Projekte entwickelt. Die Genossenschaft finanziert durch die Geldanlagen ihrer Mitglieder ökologisch-soziale Projekte, beispielsweise Solaranlagen, Windkraftanlagen und Mehrgenerationen-Häuser. Die erwirtschafteten Erträge werden als Zinsen an die Mitglieder ausgezahlt. Vorstand Joachim Bettinger: "Wir spüren ein deutliches Aufbegehren gegen die traditionelle Finanzbranche."
Messe Grünes Geld Samstag, 9. November, 9.30 bis 17.30 Uhr, 18 Aussteller, Vorträge und eine Podiumsdiskussion zu Schuldenkrise und nachhaltigen Geldanlagen (ab 12 Uhr), Historisches Kaufhaus Freiburg, freier Eintritt