Spuren der Basler Mumie führen zu Boris Johnson

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mi, 13. Oktober 2021

Basel

Eine neue Publikation und eine kleine Ausstellung zeichnen die Identifizierung der Mumie aus der Barfüsserkirche nach.

(BZ). Vor drei Jahren ist es einer internationalen Forschungsgruppe unter der Leitung des Naturhistorischen Museums Basel gelungen, eine bis dahin namenlose Mumie als die 1787 verstorbene Anna Catharina Bischoff zu identifizieren. Das soeben im Christoph Merian Verlag erschienene Werk "Anna Catharina Bischoff. Die Mumie aus der Barfüsserkirche" berichtet von dieser spannenden interdisziplinären Spurensuche rund um die besterhaltene Mumie der Schweiz. Aus Anlass der Buchpublikation wird die Mumie für kurze Zeit im Original zu sehen sein, teilte das Museum mit.

Im Rahmen der Sonderausstellung "Mumien – Rätsel der Zeit" im Naturhistorischen Museum startete 2015 eine internationale Forschungsgruppe den Versuch, die Identität einer anonymen Mumie ohne jegliche Hinweise auf deren Biografie zu lüften. Während vier Jahren arbeiteten mehr als 40 Expertinnen und Experten aus den Natur- und Geisteswissenschaften Hand in Hand mit Freiwilligen der Bürgerforschung Basel an der Lösung des Falls.

Nebst der gut erhaltenen Mumie lieferten für die Spurensuche auch die Analyse von Bekleidungsresten durch die Abegg-Stiftung sowie die Sichtung historischer Akten im Staatsarchiv Basel-Stadt sowie in Straßburg unverzichtbare Hinweise.

Schließlich erklärten sich potentielle Nachfahren der Mumie dazu bereit, an genetischen Untersuchungen teilzunehmen, um so die Verifizierung der Forschungsthese zu ermöglichen. Die Kombination all dieser Methoden führte dazu, dass die Mumie als die 1787 an den Folgen einer Syphiliserkrankung verstorbene Pfarrersfrau und siebenfache Mutter Anna Catharina Bischoff identifiziert werden konnte. Nun ist im Christoph Merian Verlag das Werk "Anna Catharina Bischoff. Die Mumie aus der Barfüsserkirche" erschienen, welches die Arbeit auf gut verständliche Weise nachzeichnet.

Das Werk ermöglicht Einblicke in ein Frauenschicksal des 18. Jahrhunderts und in den Alltag in Basel und in Straßburg zu jener Zeit. Auch die Suche nach den Nachfahren der Anna Catharina Bischoff brachte Erstaunliches zutage: Sie führte über Diplomaten, Revolutionäre und Dichtergattinnen zum heutigen englischen Premierminister Boris Johnson. Aus Anlass der Publikation ist im Naturhistorischen Museum Basel eine kleine Ausstellung zu sehen. Nebst der Mumie können deren Kleidungsreste und historische Akten betrachtet werden, die bei der Suche den Durchbruch brachten.

Termine: 19. Oktober, 18.30 Uhr, Buchvernissage im Naturhistorischen Museum Basel, die Schauvitrine ist bis 2. Januar 2022 zu sehen.