Dem alten Aussehen auf der Spur

Sebastian Barthmes

Von Sebastian Barthmes

Sa, 06. April 2019

St. Blasien

Eine Restauratorin begutachtet die Fassade der alten Menzenschwander Kirche, um Empfehlungen für die Sanierung zu geben.

ST. BLASIEN-MENZENSCHWAND. Die alte Martinskirche in Menschwand sieht äußerlich recht mitgenommen aus: Putz blättert ab, der Sockel wurde mal irgendwie ausgebessert, Wandfarbe verläuft. Der Verein "Winterhalter in Menzenschwand", der das ehemalige Gotteshaus zu einem Museum umbauen will, befasst sich nun erst einmal mit der Fassade: Sie soll eine neue Farbe erhalten.

Dort, wo es sein muss, werde auch der Putz an dem denkmalgeschützten Gebäude ausgebessert, sagte Vereinsvorsitzende Elisabeth Kaiser.

Zur Vorbereitung dieser Arbeiten hat Diplom-Restauratorin Maria Grünbaum vom Freiburger Restaurationsbüro Eberhard Grether die Fassade am Donnerstag begutachtet. Warm gekleidet machte sie sich mit Hammer, Stemmeisen und Schaber ans Werk.

Ziel ihrer Arbeit sei es, dem Verein und auch dem Denkmalamt eine Empfehlung für die Farbe und auch das Material zu geben, erläuterte Grünbaum. Um aber zu ergründen, wie denn die Kirche vor Jahrhunderten von außen ausgesehen hat, reichte nicht nur ein Blick – auch alte Materialschichten musste die Fachfrau suchen.

Schnell könne man erkennen, dass die heutige Fassadengestaltung nicht alt und wohl auch nicht historisch sei, sagte Grünbaum und bestätigte damit die Vermutung von Elisabeth Kaiser und Bernd Coenen-Lehmann vom Winterhalterverein. Auch die Qualität der verwendeten Materialien sei möglicherweise nicht die richtige gewesen, hieß es. Die Farbe der roten Fensterumrandungen verlaufe beispielsweise an vielen Stellen. Tatsächlich sei Rot eine schwierige Farbe, die Farbpigmente seien schwer zu binden. Auch die Lieblosigkeit, mit der der Sockel vor vielen Jahren einmal repariert wurde, falle auf, sagte Kaiser.

Zu tun gibt es also an der Fassade des denkmalgeschützten Gebäudes viel. Mit Hilfe der Restauratorin soll der Verein auch die richtigen Materialien und Farben wählen. An solchen Gebäuden sei häufig im Laufe der Jahrzehnte oder Jahrhunderte viel verändert worden, weiß Maria Grünbaum. Deshalb schaue man als Restaurator gerne auch an den Stellen besonders genau nach, die irgendwann verdeckt wurden. So gibt es an der Kirche in Menzenschwand auf Friedhofsseite einen kleinen Anbau. Darin sind ein zugemauerter Durchgang und auch Spuren alten Putzes zu sehen. Mit ihrem Werkzeug schabt und kratzt Grünbaum, um Hinweise zu erhalten. In einer Ecke nimmt sie zum Beispiel ihr Stemmeisen zur Hand: Langsam arbeitet sich die Restauratorin in die Tiefe des Putzes, um alte Schichten ausfindig zu machen. Denn auf alten Bildern hatte sie Hinweise zum ursprünglichen Aussehen erhalten, denen sie so nachgeht. Überhaupt, erklärt Grünbaum, sei die Recherche ein sehr wichtiger Teil der Arbeit, alte Fotografien oder Aussagen älterer Bürger seien deshalb wichtig – gerade, wenn, wie im Fall der Martinskirche, keine Dokumente über frühere Renovierungen ausfindig zu machen sind.