Grundlage für deutsch-französische Zusammenarbeit

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Di, 25. Juni 2019

Saint-Louis

Das binationale Institut für Verteidigungs- und Sicherheitsforschung ISL im elsässischen Saint-Louis besteht seit 60 Jahren.

SAINT-LOUIS (BZ). Das Deutsch-Französische Forschungsinstitut Saint-Louis (ISL), das weltweit einzige binationale Institut für Verteidigungs- und Sicherheitsforschung, feiert sein 60-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass wird am Donnerstag ein sieben Millionen Euro teurer technischer Gebäudekomplex nach zweijähriger Bauzeit eingeweiht. Darin befinden sich neben Büros und Technikräumen auf 2500 Quadratmetern Werkstätten mit hochspezialisierten Anlagen.

Das ISL bilde die Grundlage für die deutsch-französische Zusammenarbeit bei der Erarbeitung technologischer Grundlagen im Verteidigungs- und Rüstungsbereich, heißt es in einer Mitteilung. Das Institut finde anders als die deutsch-französische Brigade vor allem auf politischer Ebene viel weniger Beachtung, Forschung erfolge eben sehr lange vor dem Einsatz und oft im Verborgenen.

Aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs mit deutschen Experten um Professor Hubert Schardin entstanden, arbeiteten die Experten für Hochgeschwindigkeitsphänomene und Ballistik zunächst unter französischer Führung. Im Zuge der europäischen Bestrebungen eine gemeinsame Verteidigungsstruktur zu schaffen, wurde das "Laboratoire de recherches de Saint-Louis" durch einen am 3. März 1958 unterzeichneten Staatsvertrag zwischen Deutschland und Frankreich in das binationale Institut ISL verwandelt. Mit der Ratifizierung durch die beiden Parlamente im Juni 1959 wurde das ISL offiziell in Kraft gesetzt – noch vor den Elysée-Verträgen.

Am ISL sind 400 Mitarbeiter tätig, davon 70 Prozent wissenschaftliches Personal. Leitende Positionen in Wissenschaft und Verwaltung sind paritätisch besetzt. Deutschland und Frankreich stellen je die Hälfte des 44 Mio-Euro-Jahresbudgets als staatliche Subvention zur Verfügung. Hinzu kommt Industrie- und Auftragsforschung. Neben dem Hauptsitz in Saint-Louis verfügt das ISL über ein Versuchsgelände nördlich von Mulhouse. Seine besondere Stärke liegt in der Vielfalt seiner Forschungsgebiete, die trotz Unterschieden sehr komplementär sind. Die vier Gebiete sind neue energetische Stoffe und Schutzmaterialien, Flugtechniken für Projektile, Laser und elektrotechnische Technologien sowie Schutztechnologien, Sicherheit und Situationserfassung.

Das Institut untersteht auf deutscher Seite der Abteilung Ausrüstung des Bundesministeriums der Verteidigung, auf französischer der neugeschaffenen Agentur für Innovation im französischen Armeeministerium. Im Verwaltungsrat und im wissenschaftlichen Beirat des ISL tagen deutsche und französische Vertreter aus Ministerien, Rüstungsbereichen, Wissenschaft und Industrie. Sie beraten über die wissenschaftliche Ausrichtung des Instituts und legen die Planung fest.