Auch drei Kapellen sind dabei

Thomas Biniossek

Von Thomas Biniossek

Mi, 26. Juni 2019

St. Märgen

Professor Hans-Otto Mühleisen hat einen neuen Führer über die Geschichte der Klosterkirche St. Märgen geschrieben.

ST. MÄRGEN. Auf 64 Seiten hat Professor Hans-Otto Mühleisen die Geschichte um die Klosterkirche St. Märgen nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zusammengetragen. Die Geschichte von Kloster und Kirche kennt wohl keiner so genau wie der Professor aus St. Peter. Auch die Geschichten der Judas-Thaddäus-Kapelle, St. Wolfgang auf dem Thurner und die Rosenkranz-Kapelle in der Glashütte finden einen Platz in der Broschüre.

Der Professor ist überpünktlich. Der Pfarrer lässt hingegen auf sich warten, biegt mit seinem Pkw genau dann um die Friedhofsmauer, als die großen Zeiger der mächtigen Kirchenuhren auf die Zwölf springen. Er fährt direkt neben die Kirche, zieht sein schwarzes Jackett an. Hans-Otto Mühleisen begrüßt Klemens Armbruster mit den Worten: "Parken Sie immer dort?" "Ja", sagt Klemens Armbruster und fügt schmunzelnd hinzu: "Als Pfarrer hat man manchmal Narrenfreiheit."

Dann wird er wieder ernst und betritt zusammen mit Hans-Otto Mühleisen das St. Märgener Gotteshaus, schließlich wollen sie den neuen Kirchenführer vorstellen. "Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt und Kapellen" ist das 64-seitige Heftchen überschrieben, in dem Autor Mühleisen die Geschichte um die Klosterkirche nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zusammengetragen hat. Beim kleinen Rundgang durch die Pfarrkirche wird sehr schnell klar, welch großes Wissen der 77-jährige emeritierte Hochschullehrer für Politikwissenschaft an der Uni Augsburg nach seiner Rückkehr nach St. Peter über die beiden Klosterkirchen St. Peter und St. Märgen angehäuft hat. Bis in die Details kennt er jede figürliche Darstellung, kann zu jedem Marienbild Geschichten erzählen, weiß alles um das kunsthistorisch wertvolle und über 900 Jahre alte Gnadenbild, "die älteste marianische Holzplastik der Erzdiözese", so Hans-Otto Mühleisen. Und die Geschichte von Kloster und Kirche kennt wohl keiner so genau wie er. "Wir wollten zur 900-Jahr-Feier von St. Märgen einen neuen Kirchenführer erstellen und hatten das Glück, mit Professor Mühleisen eine Koryphäe vor Ort zu haben", sagt Klemens Armbruster, der Leiter der Seelsorgeeinheit St. Märgen-St. Peter.

Der Autor hatte schon vor dem Portal darauf hingewiesen, dass beim dritten großen Brand am 12. September 1907 die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt bis auf wenige Mauerreste zerstört wurde. Ein Blitz hatte in einen der beiden Türme eingeschlagen, die ungesichert waren, obwohl der damalige Pfarrer Adolf Albicker sechs Jahre zuvor einen Blitzableiter gefordert hatte, dessen Installation aber vom Katholischen Kirchenrat abgelehnt wurde. "Gerettet wurden unter großem Einsatz der Bevölkerung die beweglichen Skulpturen von Matthias Faller und im letzten Moment vor dem Einsturz der Decke vom Mesmer Josef Goldschmidt auch die Wallfahrtsmadonna", schreibt Hans-Otto Mühleisen. Sehr rasch wurde die Kirche wieder aufgebaut, sodass bereits zu Weihnachten ein Gottesdienst in der "Notkirche" stattfinden konnte. Geradezu akribisch berichtet der Politologe, dessen Lehrschwerpunkt aber auch immer der Politik im Zusammenwirken mit der Geschichte galt, über die Folgejahre nach dem Wiederaufbau. Hans-Otto Mühleisen steht mitten im Hauptschiff und weist hin auf die Deckenmalereien, wenig später auf die vorhandenen fünf Haupt- und Seitenaltäre sowie auf die ausladenden Stuckarbeiten im Langhaus und dem Chorraum sowie am Hauptaltar, dem Rosenkranz- und Herz-Jesu-Altar.

"Es gab bei der Recherche

neue wissenschaftliche

Erkenntnisse"

Hans-Otto Mühleisen
"Das Gesamtbild des Kirchenraums ist mit Ausnahme des nicht mehr aufgestellten Kreuzaltars dasjenige der 1725 geweihten barocken Klosterkirche", schreibt der 77-Jährige. Unterstrichen werde dies durch die geretteten Fallerskulpturen sowie den in barocker Manier geschaffen Bilder von Waldemar Kolmsperger d. Ä., die in den Jahren 1911/1912 entstanden.

Sehr ausführlich geht Mühleisen in seinem Führer schließlich auf die einzelnen Skulpturen und Bilder ein, erläutert ihre Gesamtdarstellung, weist aber auch auf Details hin, die die Besonderheiten ausmachen. "Es gab bei der Recherche für dieses Büchlein etliche neue wissenschaftliche Erkenntnisse", berichtete der Autor. "Auch das war ein Grund, die älteren Kirchenführer durch einen neuen zu ersetzen", ergänzt Pfarrer Armbruster. Dass dieser neue Führer genau zum Zeitpunkt der Feiern zum 900-jährigen Bestehen der Gemeinde herausgegeben wurde, war sicherlich kein Zufall. "Es gibt Zeiten, an denen man an Geschichte interessiert ist und Zeiten, an denen man an Geschichte nicht interessiert ist. Im Vorfeld zum Jubiläum waren sehr viele St. Märgener an Geschichte interessiert", so der Geistliche.

Der Rundgang durch die Kirche ist fast beendet, da bleibt Hans-Otto Mühleisen noch kurz vor dem Herz-Jesu-Altar stehen. "Die Verherrlichung des heiligen Augustinus ist das einzige Altarbild von Joseph Fiertmayer aus dem Jahr 1735, das den Kirchenbrand überstanden hat." Es wurde zuvor durch ein Herz-Jesu-Bild ersetzt und in die Pfarrei verbracht, sodass es nicht ein Raub der Flammen wurde und wieder in den Seitenaltar eingesetzt werden konnte.

Und dann bleibt der Kirchenkenner noch vor dem Bild der fünften Kreuzwegstation, das ebenfalls von Waldemar Kolmsperger stammt, stehen. "Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen", sagt Mühleisen und deutet auf den Gürtel von Simon, an dem eine Weinflasche und ein sichelförmiges Werkzeug hängen. "Am Sesel, also dem Messer der Winzer, erkennt man, dass der Wiener Kreuzweg von Josef von Führich hier als frei interpretierte Vorlage diente. Das passt natürlich hervorragend in die hiesige Weingegend."

Das Neue an der Broschüre im Gegensatz zu den älteren Ausgaben ist, dass Hans-Otto Mühleisen auch die Geschichten der drei Kapellen Judas-Thaddäus-Kapelle, St. Wolfgang auf dem Thurner und die Rosenkranz-Kapelle in der Glashütte mit aufgenommen und beschrieben hat. "Die auffallend hohe Dichte an Hofkapellen in St. Märgen konnte allerdings nicht mit bearbeitet werden", so Armbruster. Das hätte wohl den Rahmen dieses Führers gesprengt.

Wieder auf dem Kirchplatz zurück, weist der Pfarrer noch kurz darauf hin, dass die Renovierungsarbeiten in Mariä Himmelfahrt, die zum Jubiläumsjahr durchgeführt wurden, weitergeführt werden müssen. Mit einem Kostenaufwand von rund 180 000 Euro sollen die Faller-Figuren konserviert werden, müssen Arbeiten am Hauptaltar stattfinden und der wurmstichige Tabernakel restauriert werden.

"Vieles ist brüchig geworden, vor allem die Dinge, die direkt an der Außenwand stehen", so der Geistliche. Da die Kirchengemeinde einen Teil dieser Kosten stemmen muss, bittet der Pfarrer um weitere Spenden.