SC Freiburg

Gemeinderat verabschiedet Polizeiverordnung für das neue SC-Stadion

Jens Kitzler, Manuel Fritsch

Von Jens Kitzler & Manuel Fritsch

Do, 12. November 2020 um 12:17 Uhr

Freiburg

Freiburgs Stadträte beschließen eine neue Stadionverordnung, die sich wenig von der vorherigen unterscheidet. Anhänger des SC Freiburg sehen ein fatales Zeichen in Richtung Fanszene.

Schon im Juli hätte die Polizeiverordnung für das neue SC-Stadion im Gemeinderat verhandelt werden sollen, doch mit der Vorlage wollten sich viele Räte damals nicht zufriedengeben, auch sahen sich die SC-Fans zu Beginn als nicht miteinbezogen. Über eine seitdem viel besprochene, aber dann doch nur in wenigen Punkten veränderte Version wurde jetzt am Dienstag abgestimmt.

"Welche Zuschauerströme über welche Wege das neue Stadion besuchen werden, ist noch völlig offen" Grünen-Stadtrat Lars Petersen
Wie geplant wird künftig die Hausordnung des Sportclubs innerhalb des Stadions mit einer Polizeiverordnung für das Areal drumherum kombiniert. "Dieses Modell haben viele Bundesliga-Standorte schon lange umgesetzt", erklärte Bürgermeister Stefan Breiter. "Nach einem Jahr werden wir es evaluieren." Bei guten Erfahrungen könnten Geltungsbereich und Restriktionen aus der Verordnung ja auch abgeändert werden.

Denn die Verordnung enthält eine Liste von Verboten für den Geltungsbereich der Verordnung, und der ist groß – er reicht von der Madison- über das Stadion und den Wolfsbuck hinaus bis zur Granadaallee.

Auch die Grünen seien zunächst skeptisch gewesen, so Stadtrat Lars Petersen. "Aber welche Zuschauerströme über welche Wege das neue Stadion besuchen werden, ist noch völlig offen." Und Polizeivizepräsident Matthias Zeiser habe in Gesprächen an die Katastrophe der Loveparade in Duisburg erinnert. Die Grünen stimmten dem Geltungsbereich zu.

Felix Beuter von Eine Stadt für Alle (EsfA) fand es schockierend, dass sich die Stadt auf die Argumentation der Polizei "Groß anfangen und später verkleinern" einlasse. "Es ist eine Augenwischerei, zu glauben, dass einmal eingeführte Regularien später wieder ausgesetzt werden." Von SPD/Kult, EsfA, Jupi, FDP und BFF lag ein Antrag auf Reduzierung des Geltungsbereichs auf das Areal zwischen Stadtbahn und Stadion vor. "Mit diesem Bereich könnten wir ganz gut leben", befand SPD-Fraktionschefin Julia Söhne. Zudem sei es ja nicht so, dass außerhalb des Bereichs dann rechtsfreier Raum herrsche. Und der Wolfsbuck biete Fans so eine nichtkommerzialisierte Aufenthaltsmöglichkeit in Stadionnähe, argumentierte Maria Mena (Jupi). Doch eine Mehrheit lehnte den Antrag ab – wie auch den Wunsch nach Modifikation oder Streichung diverser Verbote, der aus den Reihen von EsfA, SPD/Kult und Jupi kam.

Misstrauen in Ordnungsamt und Polizei

"Die Anträge zeugen von einem hohen Misstrauen in unsere Institutionen, in Ordnungsamt und Polizei", kritisierte CDU-Chefin Carolin Jenkner. "Es ist beunruhigend, dass es in diesem Haus immer wieder ideologische Querschüsse auf die Sicherheitskräfte in ermüdenden Grundsatzdebatten gibt", konstatierte Wolf-Dieter Winkler (Freiburg Lebenswert). "Es wird hier unterstellt, es gebe ein Spannungsverhältnis zwischen Polizei und Fans", so Freie-Wähler-Fraktionschef Johannes Gröger. Er aber kenne keine Fans, die Probleme mit der Polizei hätten. "Unterschiedliche Perspektiven gehören zur Demokratie", konterte Julien Bender (SPD). Das sei kein Misstrauensvotum: Der Rechtsstaat sei immer in Rechtfertigungsdruck.

Vertreter der Fanszene kritisierten am Mittwoch die Entscheidung. Sie sehen ihre Gesprächsbereitschaft durch Rathaus und Polizei "instrumentalisiert". Mit der trotz aller Gespräche fast unveränderten Beschlussvorlage habe die Stadt "ein fatales Zeichen in Richtung Fanszene" gesetzt. "Vom Amt für öffentliche Ordnung und der Polizei gab es keine Bereitschaft, Kompromisse auszuhandeln", schreiben die Corillo Ultras und die Supporters Crew.

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