Leben und Tod

Star-Friseur Udo Walz ist mit 76 Jahren gestorben

dpa

Von dpa

Fr, 20. November 2020 um 19:07 Uhr

Panorama

Er war ein Handwerker, der seine Arbeit verstand und ein Mensch, der auch die kleinen Leute nie vergaß. Seine Ehemann Carsten Thamm-Walz bestätigte, dass er friedlich eingeschlafen sei.

Udo Walz war nicht nur ein Berliner Friseur, er war ein Promi. Er gehörte zum Gesellschaftsparkett. Und Walz war ein Medienprofi, stets gut aufgelegt: "Was wollen Sie wissen?", fragte er Journalisten, wenn sie ihn am Handy erwischten. Dazu war im Hintergrund das typische Salon-Geräusch zu hören: der Föhn. Frauen aus ganz Deutschland reisten mit Bussen an, um sich beim Meister am Kurfürstendamm die Haare machen zu lassen.

Am Freitag kam dann die Nachricht, die nicht nur in Berlin Fans und Freunde traurig macht: Udo Walz ist gestorben, im Alter von 76 Jahren. Zuvor hatte die Bild-Zeitung unter Berufung auf den Ehemann über den Tod des Friseurs berichtet. "Udo ist friedlich um 12 Uhr eingeschlafen", sagte Carsten Thamm-Walz demnach. Walz habe vor zwei Wochen einen Diabetes-Schock erlitten und sei danach im Koma gewesen. Ende September war laut der Zeitung bekannt geworden, dass Walz im Rollstuhl sitzt.

Handwerker und Menschenfreund

Patricia Riekel, ehemalige Chefin der Bunten, trauerte am Freitag um ihren "allerbesten Freund". Großzügig und großherzig sei Walz gewesen – einer, der sich Zeit genommen habe, wenn die Leute ein Selfie wollten. Als Friseur sei er ein "großartiger Handwerker" gewesen, sagte Riekel. Walz sei authentisch gewesen, habe die kleinen Leute nicht vergessen und sich besonders um alte Damen gekümmert.

Walz hatte sie alle vor dem Spiegel: Romy Schneider, Marlene Dietrich, Claudia Schiffer, Maria Callas, Julia Roberts, Jodie Foster. Er war für den Wandel von Angela Merkels Frisur verantwortlich. Heute macht sich kein Kabarettist mehr über die Haare der Kanzlerin lustig. Früher hieß es, Berlin habe anders als München keine Bussi-Gesellschaft. Das hat sich in den Jahren nach dem Regierungsumzug und in der Ära des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit geändert. Walz war Teil davon: umtriebig und immer für einen Plausch zu haben. Oder für Sprüche, die man sich ins Kissen sticken kann: "Das Leben ist keine Generalprobe. Man erlebt alles nur einmal."

Geboren im schwäbischen Waiblingen

Barbara Becker und Bunte-Chefin Riekel waren Trauzeugen, als Walz 2008 seinen 26 Jahre jüngeren Freund Carsten Thamm heiratete. Falls jemand das Leben des Starfriseurs verfilmen wollte, die Story ginge so: Der Sohn einer Fabrikarbeiterin wächst im schwäbischen Waiblingen auf. Nach einem Praktikum mit 14 und einer dreijährigen Lehre in Stuttgart geht er nach St. Moritz. Als Liebling der Society ist er schon mit 18 berühmt für seine Hochsteckfrisuren, heißt es in seiner Vita.

1968 eröffnet er seinen ersten Salon in Berlin. 1974 vergrößert sich der Unternehmer, später arbeitet er für Modedesigner wie Wolfgang Joop, Jil Sander und Jean Paul Gaultier. Walz spielt in Fernsehserien und Doku-Soaps mit, macht Werbung für ein Diätmittel, moderiert eine Talkshow und veröffentlicht Bücher. Ihm gehörten mal acht Salons, zwei davon auf Mallorca. "Berliner Phänomen" und "Regierender Friseurmeister" nannten ihn die Zeitungen. Anekdoten konnte das "schwäbische Cleverle" (Walz über Walz) viele erzählen. Er hat gleich zwei Autobiografien geschrieben. Für Modefotos reiste Walz früher mit dem Fotografen F.C. Gundlach um die Welt. Viele Frisuren auf alten Titeln des Magazins Brigitte tragen seine Handschrift.

Die Model-Schönheiten von damals waren für Walz eine Welt für sich: "Allein die Namen! Verheißungen wie aus ‚Tausendundeiner Nacht‘: Gloria, Bambi, Beschka, Gitta, Grit, Püppi, Candy, Micky oder Dovima, nicht zu vergessen die urdeutschen Namen, viel schöner sogar, wie ich finde: Wilhelmina, Hildegard, Ingeborg. Eine Frau aparter als die andere."

"Sie föhnen aber heiß, Herr Walz!" Romy Schneider
1970 kam eine Dame in seinen Berliner Salon, die sich die dunklen Haare blond färben ließ, obwohl ihr Walz davon abriet. "Erst später erfuhr ich, wen ich da vor mir gehabt hatte: Ulrike Meinhof. Auf den Fahndungsplakaten war sie mit dunklen Haaren abgebildet."

Zwei Schauspielerinnen haben Walz besonders beeindruckt: Inge Meysel und Romy Schneider. Meysel überraschte er einmal zu ihrem 70. Geburtstag auf Capri. Er mochte ihr Credo: "Geht raus! Lebt!" Romy Schneider sei oft während des Drehs zu ihrem letzten Film in seinen Laden gekommen, erzählte Walz. Ein überliefertes Schneider-Zitat: "Sie föhnen aber heiß, Herr Walz!"

An seiner Karriere bereute Walz nichts: "Es ist alles perfekt. Das müsste alles so wieder kommen, wenn ich einen Wunsch hätte." Small-Talk mochte er nicht: "Bei mir quatscht niemand. Die Leute wissen, dass ich mich nicht unterhalte." Gemecker schätzte Walz ebenso wenig. "Ich ruhe in mir selber", sagte er vor Jahren einmal. "Ich habe ein schönes Leben. Ich habe ein schönes Zuhause, ich habe zwei Hunde, ich habe einen tollen Partner." In Berlin werden ihn nicht nur die Klatschreporter vermissen.