Lörrach

Chinderlache spendet der Kinder- und Jugendpsychiatrie zwei Gokarts

Barbara Ruda

Von Barbara Ruda

Sa, 17. April 2021 um 14:02 Uhr

Lörrach

Der Verein Chinderlache spendet der Kinder- und Jugendpsychiatrie Lörrach erneut zwei Gokarts. Bei der Übergabe zeigt sich auch, wie sehr sich Corona auf die Arbeit der Einrichtung auswirkt.

Zum zweiten Mal stellt der Verein Chinderlache der Kinder- und Jugendpsychiatrie in der Markus-Pflüger-Straße zwei nigelnagelneue Gokarts zur Verfügung. Im Rahmen der Arbeitstherapie wurden sie vor Ort gemeinsam zusammengebaut. Die Fahrzeuge werden so sehr in Anspruch genommen, dass die Reifen schnell abgefahren sind und auch sonstige Verschleißerscheinungen auftreten wie eine wackelnde Lenkung. Wie Schatzmeister Stephen Rogg bei der offiziellen Übergabe berichtete, stammt die Spende aus dem Erlös des digitalen Dreikönigsklopfens, das ein voller Erfolg für den Verein war.

Die jungen Patienten dürfen mit den Gokarts die ganze weitläufige Außenanlage der Klinik benutzen – nachdem sie einen hausinternen Führerschein abgelegt haben. Wer zu schnell rast und andere dadurch gefährdet, dem kann der auch mal entzogen werden. Clemens Keutler, der leitende Arzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie, erklärte bei der Übergabe, dass junge Menschen mit internalisierenden Störungen, also Störungen, die sich nach innen richten wie Depressionen, Essstörungen oder Rückzug, stark von der Corona-Pandemie beziehungsweise von den damit einhergehenden Hygiene- und Abstandsmaßnahmen betroffen seien.

Beurteilung von Mimik und Gestik wird beeinträchtigt

"Beeinträchtigungen erfahren dieses Patienten durch den Wegfall von Ressourcen wie Eltern, Systemen oder Strukturen im Alltag", erklärt der Arzt. Mit zahlreichen Freizeitaktivitäten entfallen auch Gruppenstrukturen komplett.

Das Maskentragen behindere auch die Arbeit mit den Patientinnen und Patienten, etwa die Beurteilung von Mimik und Gestik und die daraus entstehende Interaktion. Bei Tests für Autisten müsse man deshalb auf Schutzschilde oder Schnelltests zurückgreifen, um überhaupt Befunde erstellen zu können. Da erhöhe Kosten und Aufwand. Für Belastungserprobungstage und -nächte zum Beispiel bei Essstörungen müssen auch Kontakte zu den Eltern ermöglicht werden.

Clemens Keutler und seine Kollegen suchen und gehen einen Weg zwischen fachlichen Behandlungsaspekten und pandemiebedingten Notwendigkeiten. Deshalb wurde ein vernünftiges Hygienemanagement entwickelt. "Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht", berichtet der leitende Arzt. "Wir hatten auf der Jugendstation positive Fälle. Trotzdem haben sich keine Mitarbeiter infiziert." "Die Kinder machen das erstaunlich gut", stellt Stationsleiter Andreas Kubetzko fest. "Sie tragen und ertragen es."

Keine freien Plätze

Bei einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 36 Tagen sind die 20 Plätze der Klinik derzeit voll belegt. Mit zusätzlich aufgestellten Betten können Überbelastungsphasen kurzfristig ausgeglichen werden. Trotzdem muss bei manchen Patienten im Alter zwischen sechs und 18 Jahren die Zeit bis zur möglichen Aufnahme mit ambulanten Maßnahmen überbrückt werden. "Wir kämpfen damit, nicht viel Spielraum zu haben", so Keutler. In Lörrach sei man zwar nicht so schlecht aufgestellt, doch sei Baden-Württemberg, was Behandlungsplätze angeht, insgesamt weit hinten. Hoffnungen verbindet der ärztliche Leiter mit dem Bau des Zentralklinikums. Dort wird es zusätzlich eine Station für Adoleszente geben, also junge Menschen über 18 Jahren, die bisher nicht aufgenommen werden. Insgesamt wird es dann drei Stationen mit jeweils zehn Plätzen geben.