Starke Brüder

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 08. Dezember 2019

Ringen

Der Sonntag Bundesligisten RG Hausen-Zell ringt um den Klassenerhalt.

Nach ordentlichem Saisonstart mit zwei Siegen aus vier Kämpfen ist Ringerbundesligist RG Hausen-Zell zuletzt in einen Abwärtsstrudel geraten. Damit der Klassenerhalt gelingt, müssen die Ringer in den letzten drei Kämpfen punkten. Als Trainer und Schwergewicht-Spitzenmann sollen Florian und Oliver Hassler den Verein in der Liga halten.

Im Hause Hassler war das Gekabbel immer groß. Wenn der große Florian mit dem kleinen Bruder Oliver spielte, kam es immer zum Kampf. "Wir haben uns immer und überall miteinander gemessen", erinnert sich der 31-jährige Oliver Hassler heute.

Der familieninternen Legende nach standen die beiden hasslerschen Kraftpakete bereits auf der Matte, als sie noch in die Windeln machten. Denn bei der RG Hausen-Zell waren damals Onkel Heinrich und Onkel Bernd Leimgruber aktiv. Die nahmen die Neffen einfach mit.

Die Keilerei hat sich offenkundig gelohnt. Denn aus Florian und Oliver ist eines der erfolgreichsten Brüdergespanne des deutschen Ringens geworden. Florian Hassler trainiert seit vier Jahren den Bundesligisten RG Hausen-Zell, Oliver war 2014 Vizeweltmeister. Gemeinsam stehen sie allerdings momentan vor einer schwierigen Aufgabe. In der Bundesliga sind sie mit ihren Wiesentälern in Abstiegsnot geraten. Drei Kämpfe ist die Saison noch lang. Soll der Klassenerhalt gelingen, muss das Tabellenschlusslicht punkten. Heute gegen den ASV Hüttigweiler (15 Uhr) wollen sie den ersten Schritt machen.

Der Hauptgrund für die aktuelle Misere: Großes Verletzungspech. "Wir hatten teilweise neun Verletzte, müssen jetzt auch einfach Mal Glück haben", findet Florian Hassler. Die Personalnot war so groß, dass auch dieses Jahr Hasslers-Trainerkollege Adrean Recorean wieder auf die Matte musste. Mit 43 Jahren.

Die Klasse zu halten, wird daher nicht leicht. Helfen soll vor allem Oliver Hassler, der über seinen Bruder sagt: "Er war immer mein Vorbild." Der Schwergewichtler war lange Zeit Deutschlands Medaillenhoffnung Nummer eins, holte im Halbschwergewicht gleich zweimal den deutschen Meistertitel und zweimal den zweiten Platz. Höhepunkt seiner Karriere: die Vizeweltmeisterschaft 2014. Überhaupt war 2014 sein Jahr. In Fort Dix krönte er sich damals zum Militär-Weltmeister.

Dass er diese Erfolge feiern konnte, erklärt Oliver Hassler mit der Vorbildfunktion seines Bruders. "Er hat mir vorgelebt, wie man den Sport professionell angeht." Weil der große Bruder Florian früh in der ersten Mannschaft der RG kämpfte, strebte der Jungspund nach. Weil Florian sich als Sportsoldat verdingte, tat es ihm der Bruder gleich. Allerdings kam beim älteren Bruder wegen einer Schulterverletzung früh das Karriereende. Bruder Oliver sagt: "Die internationalen Erfolge habe ich für uns beide errungen."

Sollte nun der Klassenerhalt gelingen, wäre das so etwas wie ein Abschiedsgeschenk. Denn Florian Hassler hat fürs Saisonende seinen Rücktritt verkündet. Die Nachfolge ist noch nicht geklärt. Als sicher gilt, dass Trainerkollege Adrean Recorean weitermacht. Mit dem aktuell letzten Tabellenplatz hat die Rücktrittsankündigung nichts zu tun. Vielmehr mit dem hohen Pensum, dass Hassler seit Jahren fährt. Als Bauleiter arbeitet er in Zürich. Dreieinhalb Stunden pendelt er täglich, steht in aller Herrgottsfrühe auf, nur um es dreimal rechtzeitig zum Bundesliga- und einmal pro Woche zum Bezirkskadertraining in Lörrach zu schaffen. "Ich habe mir immer geschworen, aufzuhören, wenn es zu viele Körner kostet", sagt Hassler. Auch ob Bruder Oliver weitermacht, ist noch offen. Bei der RG hoffen sie, dass die Brüder – wenn überhaupt – mit einem Husarenstück gehen. Angesichts der schweren Saison wäre der Klassenerhalt ein kaum zu überschätzender Schlusspunkt.