Giftmischerin und Instrument des Vaters

Ute Wehrle

Von Ute Wehrle

So, 05. Mai 2019

Staufen

Der Sonntag Eberhard Busch inszeniert Victor Hugos Lucretia Borgia in Auerbachs Kellertheater in Staufen.

Leichen pflasterten ihren Weg. Das behaupten zumindest die Gerüchte, nach denen Lucrezia Borgia als berühmt-berüchtigste Giftmischerin der Renaissance gilt. Eine Bühnenfassung von Victor Hugos Drama feiert am 11. Mai in Auerbachs Kellertheater in Staufen Premiere.

Zahlreiche Geschichten ranken sich um die 1480 geborene Tochter von Papst Alexander VI. So soll sie neben zahlreichen Affären auch sexuelle Verhältnisse mit ihrem Vater und ihrem Bruder gehabt haben. Ein literarisches Denkmal setzte ihr der Schriftsteller Victor Hugo, dessen 1833 verfasstes Drama "Lucretia Borgia" inszeniert von Eberhard Busch am 11. Mai in Auerbachs Kellertheater in Staufen Premiere feiert.

Das Theaterstück beruht auf keinen überlieferten Fakten. Vielmehr erzählt es von Lucrezia Borgias verzweifelten Bemühungen, ihrem Sohn Gennaro näherzukommen, ohne ihre Identität zu enthüllen, um ihn und sich nicht zu gefährden. Der junge Hauptmann indes verliebt sich in die schöne Unbekannte, die sich ihm nach einem Maskenball in Venedig nähert. Bis ihn seine Freunde darüber aufklären, dass es sich bei seiner Angebeteten um die grausame Lucrezia Borgia handelt.

Deren Ehemann Alfonso d’Este wiederum will sich an dem vermeintlichen Geliebten seiner Gattin rächen. Wobei ihm der herausgebrochene Anfangsbuchstabe "B" aus dem Familienwappen an seinem herzoglichen Palazzo in Ferrara, der nur noch "Orgia" übrig lässt, gerade recht kommt. Denn ohne zu wissen, wer das Wappen geschändet hat, ringt Lucrezia ihrem Gatten das Versprechen ab, den Schuldigen zu vergiften.

Auf das Drama ist Eberhard Busch per Zufall gestoßen. "Als ich mir die Werke von Victor Hugo als E-Book heruntergeladen habe, bin ich an Lucrezia Borgia hängen geblieben." Was ihn daran fasziniert hat? "Wie sie sich bei solch einer Vergangenheit um ihren Sohn bemüht, ohne ihm sagen zu dürfen, dass sie seine Mutter ist, und dabei irrsinnige Fehler macht. Eine freundliche Frau war sie ja nun nicht gerade, vielmehr hat sie ein recht liederliches Leben geführt." Was nicht verwundert, wenn man berücksichtigt, dass die uneheliche Papsttochter in einer Zeit lebte, in der man es im Vatikan mit den Sitten ohnehin nicht genau nahm. Orgien sollen an der Tagesordnung gewesen sein.

Doch vor allem ging es Lucrezias Vater Papst Alexander VI. um eines: seiner Familie und seinem Fürstentum eine Machtposition innerhalb Europas zu verschaffen. Für seine Politik diente seine Tochter als Instrument, für das er Ehen arrangierte – oder zerstörte, wenn es seinen Zwecken diente. Lucrezia Borgia wiederum brachten nicht zuletzt seine politischen Ränkespiele den Ruf einer kaltblütigen Giftmischerin, Ehebrecherin und Blutschänderin ein. Harter Stoff also, den nicht nur der französische Schriftsteller Victor Hugo unabhängig von dessen Wahrheitsgehalt nur allzu gern aufgriff, indem er die vergeblichen Versuche der Heldin, dem Fluch ihrer Vergangenheit zu entkommen, um mit ihrem Sohn ein neues Leben zu beginnen, in den Mittelpunkt stellt.

Eberhard Busch hat die Familientragödie, die seiner Meinung nach von Georg Büchner eher nachlässig übersetzt wurde, vereinfacht und mit weniger Personal inszeniert. "Vor allem habe ich versucht, eine klare Linie reinzubekommen."
Die Premiere von "Lucretia Borgia" findet am Samstag, 11. Mai, 20 Uhr in Auerbachs Kellertheater in Staufen statt. Weitere Termine unter http://www.auerbachs-kellertheater.de