Staunen vor den Wundern der Welt

Benedikt Sommer

Von Benedikt Sommer

Fr, 06. August 2021

Emmendingen

Willi "will’s wissen" Weitzel begeistert sein Publikum beim Emmendinger Kultursommer.

. Einen großartigen Nachmittag bereitete Willi Weitzel seinen Zuschauern im Rahmen des Emmendinger Kultursommers. Der aus der Fernsehreihe "Willi will’s wissen" bekannte Fernsehmoderator begeisterte sein großes und kleines Publikum mit seinem Live-Programm.

In diesem verregneten Sommer war der Dienstagnachmittag für viele Kinder und Eltern sicher ein Höhepunkt. Auch wenn die ersten Sendungen jetzt bereits 20 Jahre her sind, mit "Willi will’s wissen" schrieb Willi Weitzel Fernsehgeschichte. Sehr lebendige. Denn auch bevor die 174 Folgen in YouTube veröffentlicht wurden, gehörte der im kommenden Jahr seinen 50. Geburtstag Feiernde zu den bekanntesten Gesichtern in der deutschen Medienlandschaft. Was sich auch an diesem Nachmittag zeigte.

Da nahm Willi, auch mit einem zarten Ansatz grauer Schläfen noch immer die Verkörperung des Staunens vor den Wundern und Rätseln der Welt, sein Publikum mit auf drei seiner kleinen und großen Abenteuer. Kindheitsträume letztlich, die er sich selbst erfüllte. Das machte nicht nur ihm sichtlich Freude, sondern zeigte auch seinem Publikum, dass das geht. Das Träume-Wahrmachen und Abenteuer-Erleben. Dass es nicht bei der Vernunft, den Mahnungen und Verboten der Eltern bleiben muss.

Da folgte man ihm gerne bis nach Alaska, zum Fotografieren eines echten Grizzlys in freier Wildbahn, oder durchquerte mit ihm schwimmend den Ammersee, an dessen Ufer er inzwischen mit seiner Familie lebt. Da kam keine Langeweile und kein Gefühl der Fremdscham auf. Auch weil Weitzel, durchaus selbstironisch und ohne Angst vor Peinlichkeiten, zur Freude seines kleinen Publikums vor keiner Frage zurückschreckte (oder wie ist das im Tarnzelt, nach zwei Stunden stillsitzen, wenn die Blase drückt?). Und auch das zwischenzeitliche Scheitern, die Unlust und das Zweifeln zuließ. Dass ganz nebenbei so manche Fakten und praktisches Wissen anfielen, merkte keiner.

"Und welche Geschichte hat Dir am besten gefallen?", fragte Willi einen seiner kleinen Zuschauer beim Autogramm schreiben. "Die mit der Wanderung", war dessen Antwort. Da hatte sich Weitzel von seinem Bruder im nordhessischen Grenzland im Spätherbst mit verbundenen Augen, ohne Geld, Handy und Schlafsack aussetzen lassen. Und was er da erlebte, waren wirkliche Abenteuer. Auch wenn das mit der Verkleidung (Brille und Bart) fast nie funktionierte, und die meisten, die er durchnässt, müde und hungrig, nach einem Schlafplatz fragte, reagierten wie der Familienvater in Münchhausen, der abends um halb acht an der Tür seines Hauses nur mit einem "Mensch, Willi, was machst denn du hier?" den Kopf schüttelte.

Und dann gab es am Ende noch eine schöne Überraschung. Drei CDs hatte Weitzel unter den Sitzen versteckt, um sie die Kinder während des Programms finden zu lassen. Die Freude bei den Gewinnern war groß, die Enttäuschung, leer ausgegangen zu sein, aber auch. "Klar, dann funktioniert das nachher besser mit dem Merchandising", dachte vielleicht ein Zyniker, und nicht wenige Mütter überlegten sich das nochmal mit dem Haushaltsgeld für die Woche. Aber dann gab es am Ausgang tatsächlich nichts zu kaufen, nur eine Gratis-CD für jede Familie. Die Schlange für ein Autogramm reichte bis zum Parkplatz.