"Stechmückenbekämpfung verstößt gegen Richtlinie"

Hagen Späth

Von Hagen Späth

Di, 07. Januar 2020

Neuried

Zukunftsforum Natur & Umwelt reicht Beschwerde bei EU ein .

AUS DEM RIED/RHEINAU (has). Das Zukunftsforum Natur & Umwelt Ortenau hat bei der EU-Kommission eine Beschwerde gegen die Stechmückenbekämpfung der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) eingelegt. Die Kommission hat Mitte Dezember die Annahme der Beschwerde bestätigt. Das Zukunftsforum mit Sitz in Rheinau hat sich vor vier Jahren gegründet, es ist die Nachfolgeorganisation des BUND Rheinau.

"Aus unserer Sicht verstößt die Bekämpfung der Stechmücken in Natura-2000-Gebieten ohne vertiefende Natura-2000-Verträglichkeitsprüfung und zugehörigem Monitoring gegen EU-Richtlinien", begründet Vereinsvorsitzender Joachim Thomas in einem Schreiben an die BZ die Beschwerde. Der Verein führt eine ganze Reihe von Argumenten auf, "die einen Diskurs darüber anstoßen sollen, ob in Zeiten massiven Insektensterbens die Bekämpfung der Stechmücken als Nahrungstiere für viele teils streng geschützte Arten noch zu verantworten ist". Bisher gebe es keine unabhängigen Langzeitstudien, in wie weit die Stechmückenbekämpfung zum Biodiversitätsrückgang beitrage.

Studien der KABS bescheinigten dem Wirkstoff Bti eine fast selektive Wirkung auf Stechmücken. Dies werde in anderen Studien, zuletzt durch die Universität Koblenz-Landau, widerlegt. "Angesichts des massenhaften Insektensterbens erweist sich das jahrelang verbreitete Argument, die betroffenen Arten könnten auf andere Insekten als Nahrungstiere ausweichen, als nicht mehr tragfähig."

Die BZ hatte schon im Juli vergangenes Jahr über die Ergebnisse der Studie der Uni Landau berichtet. Die Kabs hatte dagegen argumentiert, die Untersuchungen seien nicht aussagekräftig, da sie nicht in typischen Rheinschnakenbrutgewässern stattgefunden hätten.