Für den Kilt gibt es Extrapunkte

Katja Rußhardt

Von Katja Rußhardt

So, 28. Juli 2019

Stegen

Der Sonntag Die Veranstalter der Highland Games in Stegen-Wittental geben Tipps zur Teilnahme.

Runter vom Sofa! Nach dem Vorbild der Highland Games gibt es in Stegen-Wittental am 18. August wieder schottische Spiele zum Mitmachen. Noch ist Zeit, die rustikalen Disziplinen zu trainieren und mit Freunden oder solo anzutreten.

Einen eigenen Baumstamm haben die Favoriten schon zu Hause im Geräteschuppen. Zum Üben und idealerweise um die vier Meter lang. "Du musst dem Ding den richtigen Dreh mitgeben, sodass es sich überschlägt und auf 12 Uhr liegenbleibt", erklärt Joachim Hoch, was am 18. August von den Teilnehmern in der Disziplin Baumstammwerfen (Tossing the caber) verlangt wird. Hoch gehört zur Freiwilligen Feuerwehr Stegen, Abteilung Wittental, und steht mit seinem Kollegen Peter Vogt auf der noch ungemähten Wiese, die sich in drei Wochen in einen Turnierplatz verwandeln wird. Die Stegener Highland Games, 1999 erstmals veranstaltet, finden dann nach zweijähriger Pause wieder im Wittental statt.

Nach schottischem Vorbild kann man sich hier im Team und als Einzelstarter nicht nur mit Baumstämmen austoben, sondern gleich in mehreren, ganz speziellen Disziplinen messen: Weinfassrollen (Pushing the barrel), Fasshochwurf (Putting the weight), Farmer’s walk (Lauf mit Gewichten), Baumstamm-Slalom (Tree Trunk Slalom), Tauziehen (Tug o’ war) und Axtwerfen (Throwing the axe).

Lässig posieren Hoch und Roth fürs Foto, bedauern, kein eindrucksvolles Sportgerät für eine Demonstration mitgebracht zu haben, und geben Entwarnung: Natürlich sei alles machbar für sportliche Frauen und Männer. "Um dabei zu sein, muss man nicht unbedingt schon jahrelang Baumstämme gewuppt, Fässer gedreht und Äxte geworfen haben", sagt Joachim Hoch und berichtet, dass sich jedes Jahr neben alten Bekannten und regelmäßig teilnehmenden Vereinsgruppen mit Tauzieh- und Kampfsporterfahrung auch Neulinge auf den Platz wagen und Leistungen bringen, die sich sehen lassen können. "Bierernst soll es nicht werden", sagt Hoch, "wir wollen, dass es allen Spaß macht, aber ein wenig Training kann natürlich nicht schaden."

Doch wie kann man sich drei Wochen vorher unkompliziert noch ein wenig Schliff holen? Mit dieser Frage bringt man die beiden Feuerwehrmänner nicht in Verlegenheit. Vorschläge zum Improvisieren haben sie schnell parat. Etwa fürs Fasswerfen, bei dem sie mit einem unübersehbaren Augenzwinkern zunächst das Leeren eines 30-Liter-Bierfasses empfehlen. Die nächsten Schritte: Sägespäne in das leere Behältnis füllen und Wasser hineingießen, bis das Fass 18 Kilogramm wiegt. "Damit hat es genau das Gewicht unseres Wettkampf-Fasses, das über eine Latte geworfen werden muss", erklärt Joachim Hoch. Es sei nicht ganz einfach, die richtige Technik zu finden, mit der man die größte Höhe überwinden könne, sagt er und rät, sich dem Training dieser kniffligen Disziplin ganz besonders zu widmen.

Schade, dass sich das Fass nicht zum Ausprobieren einer weiteren technisch anspruchsvollen Disziplin eignet: "Fürs Weinfassrollen braucht man leider ein leeres 300-Liter-Fass, mit dem so schnell wie möglich zwei Durchgänge in einem Rundkurs absolviert werden müssen", bedauert Peter Vogt und ergänzt, dass man das aber auch noch am Vortag des Wettkampfs auf dem dann für eine Stunde für Teilnehmer geöffneten Parcours ausprobieren könne. Viel Gefühl braucht es, um das konische Fass auf Kurs zu halten – genauso ist es beim Baumstamm-Slalom, bei dem ein vier Meter langer Stamm geschultert und bis zum Ziel getragen werden muss, ohne Hindernisse zu touchieren. Tipp: Mit einem Stamm zuhause das Werfen und den Slalom proben – irgendwo auf einem Sportplatz oder der grünen Wiese.

Solo oder als Team kann man bei den Games an den Start gehen: "Beim Baumstammtragen als Gruppe ist Koordination ohne Ende gefragt. Besonders der hintere Kollege muss sich schnell drehen", weiß Joachim Hoch und schildert kuriose Szenen des letztjährigen Wettkampfs, bei dem übrigens erstmals auch Äxte mit Doppelkopf und langem Stiel zum Einsatz kamen. Sie müssen in einer Zielscheibe stecken bleiben. Je zentraler der getroffene Ring, desto mehr Punkte gibt es. Beinah hätten die Organisatoren zwei Klassiker vergessen. "Fürs Tauziehen könnte man einfach mal das eigene Auto ziehen", sagt Vogt und meint das ebenso ernst wie folgenden Ratschlag: "Für den Farmer-Lauf empfehle ich rechts und links zwei volle Bierkästen zu tragen und so lang wie möglich im Kreis zu laufen."

Einer erfolgreichen Teilnahme dürfte so nichts mehr im Wege stehen. Die Wiese, das garantieren Hoch und Vogt, werde sich jedenfalls raspelkurz präsentieren und eine echte Band mit Dudelsäcken für Highland-Games-Stimmung sorgen. Zu guter Letzt noch ein Hinweis: Einen Kilt zu tragen ist Ehrensache und gibt Extra-Punkte.