Wandern mit Kindern

Steile Wände und rauschende Wasserläufe machen die Windbergschlucht zum Abenteuer

Silke Kohlmann

Von Silke Kohlmann

So, 26. Juni 2022 um 07:00 Uhr

Südwest

Der Sonntag Ob die schmale Brücke wirklich trägt? Und wohin führt wohl dieser wilde Pfad? Der Windbergpfad bei St. Blasien ist der perfekte Familienwanderweg und wartet mit tierischen Überraschungen auf.

Größer könnte der Kontrast kaum sein: Rund um den Dom wuseln die Schwarzwaldurlauber, die Sonne hat haufenweise Gäste in die Straßencafés gespült, Touristen flanieren am Ufer der Alb entlang. Nur 15 Gehminuten von der geschäftigen Mitte St. Blasiens entfernt fühlen wir uns in einer anderen Welt: Hier wird die Stille nur vom Murmeln des Baches durchbrochen, hier ist die Luft trotz sommerlicher Temperaturen kühl und feucht, hier verbirgt sich zwischen steilen Wänden und dichtem Grün die Windbergschlucht– wild und wunderbar.

Die Kinder sind sofort fasziniert: "Wow, können wir auf dem Baumstamm über den Fluss balancieren?", fragt der sechsjährige Malou. (Natürlich nicht.) "Ist das schön", seufzt die elfjährige Schwester. Und das ist es wirklich: Umgestürzte Stämme liegen kreuz und quer über dem Bach. Mal rinnt das Wasser unter Farnen verborgen durchs Dickicht. Mal schlängelt es sich zwischen bemoosten Felsen hindurch, ergießt sich in kleine Becken, verschwindet gurgelnd wieder im Untergrund.

Die Strecke ist bisweilen gefährlich: Überflutungen, Erdrutsche, Steinschlag

Die Windbergschlucht ist ein Naturhighlight ganz nah am Kurort St. Blasien – und bleibt doch den meisten Besuchern der Domstadt verborgen. Wer sich aufmacht, ihre Schönheit zu entdecken, sollte unbedingt Wanderschuhe mit gutem Profil an den Füßen haben: Wir steigen auf steinigem Weg durch den Bannwald bergauf, der Regen vom Vortag macht den Untergrund rutschig.

Windbergbächle heißt der Wasserlauf, der sich oberhalb von St. Blasien durchs gleichnamige Tal ergießt. Und trotz seines harmlosen Namens entwickelt er bisweilen eine enorme Kraft: Schilder warnen vor Überflutungsgefahr bei zu viel Niederschlag, vor Erdrutschen, Steinschlag und Wegabbrüchen.

Immer wieder überqueren wir auf schmalen Brücken den Bach, unter uns rauscht das Wasser, über uns schließen sich die Bäume zu einem grünen Dach. Manchmal können wir ganz nah ans Wasser heran, können die Kaskaden aus unmittelbarer Nähe beobachten.

Gelangweilte Kinder? Eine Herde Ziegen hilft

Über Felsentreppen geht es flussaufwärts. Irgendwann wird der Taleinschnitt breiter, das Rauschen kräftiger: Wir nähern uns dem Wasserfall. Sechs Meter tief stürzt der Bach hier in die Schlucht hinab. Ein feiner Nebel aus Tröpfchen umgibt uns. Der Wasserfall markiert das Ende der Schlucht: Hier führt uns der Pfad hinauf auf den Forstweg und über den Bach hinweg ins offene, sonnige Windbergtal.

Wir wandern nun rechts des Bachlaufs bergan, leuchtend-gelber Ginster, Margeriten, Wiesen-Witwenblumen säumen den breiten Weg. Ein bisschen langweilig, finden die Kinder. Aber dann dringt auf einmal lautes Gebell von der Weide herüber. Ein weißer wolliger Hütehund saust über die Wiese, eine Herde von gut 30 braunen Ziegen folgt ihm, dahinter ein zweiter Hund. "Bleiben die hinter dem Zaun?", fragt Malou unsicher. Das tun sie tatsächlich.

Plötzlich ein lautes Rumpeln und Poltern

Es ist ein ergreifendes Bild: Die Ziegen scharen sich um die Hunde, lassen sich von deren Bellen kein bisschen stören. Wir sind beeindruckt, wie gewissenhaft die Herdenschutzhunde ihre Aufgabe erledigen und wie vertrauensvoll sich die Ziegen in ihren Schutz geben. Um die Tiere nicht noch mehr zu beunruhigen, gehen wir weiter.

Das Tal öffnet sich zunehmend, nun grasen Rinder auf den von Bäumen, Büschen und Felsen durchsetzten Wiesen. Unser Weg führt in weitem Bogen auf den Windberghof an der anderen Talseite zu. Ein Pferd beobachtet uns von der Weide, weitere Ziegen bevölkern die Hänge. Unten in der Talmulde hat das Wollgras einen weißen Teppich aus Blüten ausgebreitet. Uns gegenüber erhebt sich der Rothaus-Zäpfle-Turm bei Höchenschwand. Bergab kommen wir zügig voran.

Hinter der Wegbiegung hören wir auf einmal ein lautes Rumpeln und Poltern: Ein Pferdefuhrwerk kommt uns entgegen. Zwei massige Tiere ziehen den Zweispänner bergan. "Was für riesige Hufe", staunen die Kinder. Und welch beeindruckende Erlebnisse auf einer so kleinen Wanderrunde. Am Talausgang steigen wir wieder hinunter in die Schlucht, genießen die Kühle des Wasserfalls – bevor wir uns erneut ins Getümmel des Ortes stürzen.
Die Tour: Der Windbergpfad hat eine Länge von 7,8 Kilometern und überwindet dabei 266 Höhenmeter.

Startpunkt ist am Haus des Gastes, Am Kurgarten 1-3, in St. Blasien. Man folgt dem blauen Wegweiser. Obacht am St. Blasier Stüble: Hier geht es hinauf in die Friedrichstraße. Wer mit dem Kinderwagen unterwegs ist, kann die Schlucht aussparen und den geteerten Weg über das Felseneck für den Aufstieg nutzen. Vom Wegpunkt "Obere Windbergschlucht" sind es nur wenige Meter hinunter zum Wasserfall.

Infos: mehr.bz/windberg