Programmvorstellung

Stimmen-Festival Lörrach gibt der Klassik mehr Raum

Peter Disch

Von Peter Disch

Do, 21. März 2019 um 17:50 Uhr

Rock & Pop

Ein neuer Spielort in der Schweiz für die Klassik und inhaltliche Kontinuität: Das Programm des 26. Stimmen-Festivals in Lörrach und dem Dreiland steht fest.

Einst behielten Festivalveranstalter die Namen vieler ihrer Künstler lange für sich. Die geballte Ladung wurde dann aufs Mal preisgegeben, um so größtmögliche Aufmerksamkeit zu erreichen. Heute gehen viele bestätigte Konzerte sofort in den Vorverkauf. Schnelligkeit ist im Konkurrenzkampf um das Publikum zum Wettbewerbsvorteil geworden. So waren vorab 75 Prozent des Programms des 26. Stimmen-Festivals bekannt. Ein paar Neuigkeiten gab es bei der offiziellen Vorstellung trotzdem. Vor allem, was die Klassik angeht.

Nicht nur, dass das Genre mit fünf Terminen stärker als zuletzt vertreten ist. Stimmen-Chef Markus Muffler präsentierte am Mittwochabend im Burghof mit dem Schlosspark in Binningen auch einen neuen Schweizer Veranstaltungsort.

Der Prolog
Eine Neuigkeit waren auch die Namen de Musiker, die bei der Reihe "Stimmen on Tour" dabei sind, die als Prolog des eigentlichen Festivals in Liestal, Murg-Oberhof, Lörrach-Brombach, Grafenhausen und Freiburg Station macht (27., 28., 30.6.; 1. und 2.7.). Bei den Gratiskonzerten treten die amerikanische Pop-Folk-Sängerin und Harfenspielerin Mikaela Davis plus And The Golden Choir aus Berlin auf.

Die Eröffnung
A-cappella-Gesang ist weiter ein Renner. Zum Auftakt präsentiert Stimmen die kubanische Gruppe Vocal Sampling, die einen perkussiven Stil pflegt (4.7.).

Die Klassik
Der Klassik-Block schließt direkt an die Premiere an – mit Freiluftkonzerten in Binningen und populärem Programm. Das Sinfonieorchester Basel begleitet Natalie Karl und Michal Pflumm, die Gassenhauer aus Filmen der 20er und 30er interpretieren (5.7., Tickets online kaufen), und Olga Peretyatko und Dmitry Korchak mit Arien aus Belcanto-Opern (6.7., Tickets online kaufen). In St. Ottilien in Lörrach-Tüllingen treten White Raven mit sommerlichen Celtic Songs (7.7., Tickets online kaufen) und das Duo Miriam Feuersinger und Julian Behr (9. 7., Tickets online kaufen) auf. Dazu kommen die Lautten Compagney und Gyula Orendt mit Monteverdis "L’Orfeo" (21.7., Burghof, Tickets online kaufen).

Die Dauerbrenner
Lange dabei – das muss nicht automatisch pure Nostalgie bedeuten. Das gilt für Joe Jackson (17.7., Burghof) und die Trip-Pop-Band Morcheeba (19.7., Arlesheim).

Der Marktplatz
Nach der Debatte um die Besucherzahlen der Marktplatzkonzerte 2018 lässt sich für 2019 auch ohne seherische Fähigkeiten eine Steigerung prognostizieren. Dafür spricht die Zugkraft der kommerziell erfolgreichen deutschen Bands Jan Delay & Disko No. 1 (10.7., Tickets online kaufen) und Revolverheld (13.7., Tickets online kaufen). Der Brite George Ezra wurde 2014 mit seiner Debütsingle "Budapest" sofort zum Star (11. 7., Tickets online kaufen). Iggy Pop ist eine der Rocklegenden, die auch mit dann 72 noch relevant und ein Erlebnis sind (14.7., Tickets online kaufen). Einzig bei Beirut (12.7., Tickets online kaufen) könnte der Rahmen deutlich intimer werden. Künstlerisch gesehen gehört die Band aber zu den Highlights des Programms.

Die Individualisten
In der globalisierten Gegenwart ist der Begriff Weltmusik nicht mehr zeitgemäß. Jetzt heißt das Genre Roots. Sudan Archives (18.7., Riehen), der queere Südafrikaner Nakhane (25.7., Rosenfelspark), und die auf den Kapverden geborene Mayra Andrade (26.7., Rosenfelspark) stehen für eine weltumspannende Musik, die sich nicht drum schert, wo ein Stil seine Wurzeln hat, sondern ob er durch die Mischung mit Einflüssen aus anderen Kulturen oder Teilen der Erde etwas Neues und bisher Ungehörtes hervorbringt.

Der Sound Amerikas
Fester Bestandteil von Stimmen sind Künstler, die sich auf das beziehen, was Nordamerika dem Pop und Rock gegeben hat – Folk, Soul, Funk, Blues, Gospel, Country und die Musik der südamerikanischen Einwanderer. Die Klänge des Kontinents vertreten Cat Power (16.7., Burghof), Calexico And Iron & Wine (20.7., Arlesheim), Judith Hill (24.7.), D/Troit (27.7.) und Kiefer Sutherland (28.7.), alle im Rosenfelspark.

Die Lokalmatadore
Zweimal ist im Programm Platz für die Kinder der Stadt und des Landkreises Lörrach. Örtliche Nachwuchsbands können sich für das Vorprogramm von Jan Delay bewerben (http://www.stimmen.com/wettbewerb Und zur Popband Die Höchste Eisenbahn zählen mit Moritz Krämer und Francesco Wilking zwei Einheimische (23.7., Rosenfelspark), die mit ihrem verspielten Berlin-Mitte-Pop zurück in die Heimat kommen.