Konjunktur

Stimmung in Südbadens Wirtschaft trübt sich ein

Barbara Schmidt

Von Barbara Schmidt

Di, 10. Mai 2022 um 19:22 Uhr

Wirtschaft

Die Geschäftserwartungen der Mitgliedsbetriebe der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hochrhein-Bodensee sind gesunken. Sogar die Bauwirtschaft rechnet mit dem Wegbrechen von Aufträgen.

Dabei gehörte die Bauwirtschaft in der Corona-Krise zu den wenigen Wirtschaftsbereichen, die trotz der Pandemie immer weiter gewachsen war. Doch nun hinterlässt der Ukraine-Krieg Spuren in der südbadischen Wirtschaft.

Zwar bewerten laut einer Umfrage der Bauwirtschaft Baden-Württemberg immer noch gut vier Fünftel der Bauunternehmen ihre Geschäftslage als befriedigend oder gut. Jedoch erwarten 52 Prozent in den nächsten Monaten eine Verschlechterung. "Die skeptischen Zukunftserwartungen werden vor allem durch kriegsbedingte Lieferschwierigkeiten und enorme Preissteigerungen bei Baumaterialien verursacht, die sich von Monat zu Monat stärker auf die Baufirmen auswirken", wird Thomas Müller, Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, in einer Mitteilung zitiert.

Weil sich Stahl, Bitumen, Bauholz und Kunststoffe stark verteuert haben, werden Bauherren ihre Aufträge stornieren, so die Befürchtung. Kommunen könnten ihre Investitionen zurückfahren.

Explodierende Energie- und Rohstoffpreise sowie Störungen in den Lieferketten empfinden auch die IHK-Betriebe zunehmend als Bedrohung. "Dabei überlagern sich Effekte des Krieges mit den Auswirkungen der noch nicht überstandenen Corona-Pandemie", so Alexander Graf, zuständig für die Konjunkturumfrage der IHK Hochrhein-Bodensee. Aktuell erwartet demnach jeder vierte Betrieb in den nächsten zwölf Monaten eine schlechtere Geschäftsentwicklung – fast doppelt so viele wie zu Jahresbeginn.

Das liegt vor allem am produzierenden Gewerbe: In der Industrie ist die Lage den Angaben zufolge zwar insgesamt positiv, doch steigt die Zahl jener, die sinkende Auftragseingänge verzeichnen. Der Auslastungsgrad sinkt leicht auf 87 Prozent. Im Handel hat sich die Stimmung hingegen etwas aufgehellt, im Dienstleistungsbereich liegt der Lageindex seit Jahresbeginn stabil bei 122 von 200 möglichen Punkten.