Strafe wurde verkürzt

Ralf Strittmatter

Von Ralf Strittmatter

So, 15. Dezember 2019

Staufen

Der Sonntag Urteil zur Nachverhandlung im Staufener Missbrauchsfall.

In der Nachverhandlung gegen Knut S. im Zusammenhang mit dem "Staufener Missbrauchsfall" hat das Landgericht Freiburg erneut eine Sicherheitsverwahrung abgelehnt und die Gesamtfreiheitsstrafe für den 51-jährigen Berufssoldaten um ein halbes Jahr gesenkt. Die Staatsanwaltschaft kündigt Revision an.

Nach seiner Haftstrafe muss Knut S., einer der Täter im Staufener Missbrauchsfall, weiterhin nicht in Sicherheitsverwahrung, wie die 16. Große Strafkammer des Freiburger Landgerichts mit ihrem Urteil am Montag bestätigte. Der 51-jährige Berufssoldat der Deutsch-Französischen Brigade im elsässischen Illkirch war im Mai 2018 wegen zweifacher Vergewaltigung und zweifachen schweren Missbrauchs eines neun Jahre alten Jungen in Staufen zu acht Jahren Haft ohne Sicherheitsverwahrung verurteilt worden. Diese Freiheitsstrafe hat die Jugendkammer in der erneuten Verhandlung auf siebeneinhalb Jahre verkürzt. Außerdem wurde das Auto des Angeklagten als Tatmittel eingezogen.

Gegen das ursprüngliche Urteil hatten sowohl Staatsanwältin Nikola Novak als auch der Angeklagte Revision eingelegt. Novak hatte für die Tat im ersten Verfahren zwölf Jahre Gefängnis mit anschließender Sicherheitsverwahrung gefordert, die Verteidigung beantragte vier Jahre Haft. Nachverhandelt wurde nun, weil der unerlaubte Besitz und die Verbreitung von Kinderpornografie aus dem ersten Urteil nicht Gegenstand des Europäischen Haftbefehls war, durch den Knut S. 2017 von Frankreich nach Deutschland ausgeliefert wurde. Der Bundesgerichtshof entschied, dass diese Tat nicht zur Verurteilung herangezogen werden durfte, und gab die Sache ans Landgericht zurück. Dieses sollte neu über die Höhe der Strafe entscheiden und außerdem prüfen, in welchem Umfang die Auslieferungshaft in Frankreich beim Strafmaß angerechnet werden kann.

Staatsanwaltschaft hat erneut Revision eingelegt

In einer sechs Tage dauernden Hauptverhandlung kam die 16. Jugendkammer unter Leitung von Richter Alexander Schöpsdau zum selben Schluss wie die Strafkammer im ersten Prozess: Knut S. habe keinen Hang dazu, bei jeder Gelegenheit zur Befriedigung seiner Sexualität straffällig zu werden. Damit sei die Voraussetzung für eine Sicherheitsverwahrung nicht gegeben.

Für ihr Urteil hatte das Gericht Arbeitskollegen sowie Zeugen aus dem privaten Umfeld des Angeklagten angehört, darunter auch Frauen, die eine sexuelle Beziehung zu Knut S. hatten und von dessen sexuellen Praktiken wie Sadomasochismus berichteten. Im ersten Verfahren hatte Psychiater Hartmut Pleines mit seinem Gutachten beim Angeklagten eine pädosexuelle Neigung festgestellt, die sich nicht wegtherapieren lasse, mit der er aber durch Therapie umzugehen lernen und ein normales Leben führen könne. Aufgrund eines neuen Gutachtens kam die Kammer auch diesmal zu dem Schluss, dass von Knut S. nach der Haft keine Gefahr zu erwarten sei.

Das Strafmaß hat das Gericht in der Nachverhandlung um ein halbes Jahr verkürzt, weil der Teilbereich Kinderpornografie als Anklagepunkt wegfiel. Zugunsten des Angeklagten sprach außerdem, dass dieser inzwischen das Schmerzensgeld an den Jungen bezahlt hat, die Dauer des Verfahrens von zwei Jahren, die Knut S. in Untersuchungshaft schon verbracht hat, sowie dass er mit seiner Entlassung aus dem Dienst rechnen muss. Auch die in Frankreich vollzogene Auslieferungshaft wurde vollständig angerechnet.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft hat bereits Revision eingelegt. Nach Eingang der schriftlichen Gründe will sie das Urteil auf Rechtsfehler prüfen. Noch bis morgen kann Revision eingelegt werden.

Im Staufener Missbrauchsfall hatte eine Mutter aus Staufen ihren Sohn zusammen mit ihrem Lebensgefährten zwei Jahre lang missbraucht und gegen Geld im Internet für sexuelle Handlungen angeboten. Der Fall erregte 2017 bundesweit Aufsehen.