Strenge Regeln für zwei Kreise in NRW

dpa

Von dpa

Mi, 24. Juni 2020

Deutschland

Ministerpräsident Laschet reagiert mit regionalem Lockdown auf Corona-Ausbruch / Virologe warnt vor zweiter Infektionswelle.

(dpa/BZ). Nach dem Ausbruch des Coronavirus beim Fleischverarbeiter Tönnies schränken die Behörden in NRW das öffentliche Leben in den Kreisen Gütersloh und Warendorf und damit von 640 000 Menschen massiv ein. Im öffentlichen Raum dürfen sich die Bewohner eine Woche lang nur noch mit Personen des eigenen Hausstands bewegen oder zu zweit. Derweil lockern andere Regionen die Corona-Regeln – auch der Südwesten.

Es handele sich um das bisher "größte Infektionsgeschehen" deutschlandweit, sagte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). Der Lockdown sei nötig, um mit Tests feststellen zu können, "ob auch über die Mitarbeiter von Tönnies hinaus in der Bevölkerung das Virus bereits verbreitet ist". In den beiden Kreisen werden Museen, Kinos, Fitnessstudios, Hallenschwimmbäder und Bars geschlossen. Der Kreis Warendorf werde am Donnerstag zudem alle Schulen und Kitas schließen; in Gütersloh sind sie bereits zu.

Grund ist der Massenausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies in Rheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh, wo sich mehr als 1550 Beschäftigte nachweislich infiziert haben. Viele von ihnen leben im Nachbarkreis Warendorf, deshalb wurde auch dort ein wichtiger Schwellenwert für Neuinfektionen überschritten.

In Gütersloh standen am Dienstag zahlreiche Menschen an einem neuen Test-Zentrum an – auch, um sich für etwaige Kontrollen in Urlaubsregionen zu wappnen. Der Lockdown bedeute kein Ausreiseverbot aus dem Kreis, so Laschet. "Wer Urlaub plant, kann das natürlich machen." Zugleich appellierte er an die Bewohner, "jetzt nicht aus dem Kreis heraus in andere Kreise zu fahren". Laschet warnte davor, Menschen aus Gütersloh unter "Generalverdacht" zu stellen. "Dazu gibt es überhaupt keinen Anlass."

Indes befürchtet der Virologe Christian Drosten eine unbemerkte Ausbreitung des Virus in die Bevölkerung. Die Verbreitung über die Hotspots in NRW hinaus zu verhindern, sei jetzt das Entscheidende, sagte der Charité-Wissenschaftler im NDR. Es gebe in mehreren Orten, darunter Berlin, eindeutige Anzeichen, dass Sars-CoV-2 wieder komme. Drosten sagt: "In zwei Monaten, denke ich, werden wir ein Problem haben, wenn wir nicht jetzt wieder alle Alarmsensoren anschalten."

In Baden-Württemberg dürfen sich vom 1. Juli an 20 statt zehn Menschen öffentlich treffen. In Berlin fallen die Kontaktbeschränkungen am 1. Juli weg; auch in Sachsen-Anhalt gilt dann nur noch die Empfehlung, sich mit nicht mehr als zehn Menschen zu treffen – bei möglichst wenig wechselnden Kontakten. Bußgelder entfallen dort.