Wissenslücken durch Corona

Studenten sollen Grundschülern helfen

Liane Schilling

Von Liane Schilling

Mi, 07. April 2021 um 18:03 Uhr

Titisee-Neustadt

Eltern, die sich Sorgen machen, wie ihre Kinder Lernrückstände aufholen, die durch pandemiebedingte Unterrichtsausfälle entstanden sind, können aufatmen.

Ein Projekt des Landkreises soll helfen. Auch die Grundschulen im Hochschwarzwald können die Gelegenheit nutzen und ihren Bedarf in der digitalen Erfassung anmelden.

Geplant ist, dass Studierende der pädagogischen Hochschule den Grundschülern fehlendes Wissen beim Rechnen, Schreiben und eventuell im Sprachunterricht vermitteln. So sollen Lücken geschlossen werden, die von Unterrichtsausfälle und -veränderungen herrühren.

Der Ablauf wird nach Ostern an einer Schule in Bad Krozingen erprobt. Der Bedarf an den weiteren Schulen im Landkreis werde derzeit ermittelt, teilt Matthias Fetterer von der Pressestelle des Landratsamts mit. Die Frist für die Rückmeldung läuft noch bis 16. April, zwölf Gemeinden haben bereits vor Ostern für ihre Grundschulen Unterstützungsnotwendigkeit angemeldet.

Die Bedürfnisse sind unterschiedlich und reichen über zusätzliche pädagogische Fachkräfte im regulären Unterricht und in ergänzenden Nachmittagsangeboten bis hin zur Vermittlung einzelner Nachhilfe-Angebote.

Besonders für kleine Schulen ohne Sozialarbeiter sei das Angebot wichtig, befindet Friedenweilers Bürgermeister Josef Matt, der im Jugendhilfeausschuss des Kreistags sitzt. Der Ausschuss hat sich einstimmig dafür ausgesprochen, 100 000 Euro für die Bildungsoffensive zur Verfügung zu stellen. Der Kreistagsbeschluss dazu steht für Montag, 3. Mai, auf der Tagesordnung.

Geplant ist eine Stundenvergütung der Studenten von zwölf Euro, zuzüglich eine Stunde Vorbereitung und eine Stunde Nachbereitung, erklärt Fetterer. Die Gesamtkosten sind aber von verschiedenen Faktoren abhängig, verdeutlicht er. 30 Studierende haben sich bei der ersten Werbung für diese Aufgabe gemeldet. Davon nehmen zehn am Modellversuch in Bad Krozingen teil, die übrigen warten auf die nächsten Einsätze. Im Fachbereich Planung, Qualitätsentwicklung und Bildung im Landratsamt geht man davon aus, dass sich bei einer erneuten Werbung zahlreiche weitere Studierende für die neue Aufgabe melden werden. Wenn der Bedarf der Schulen ermittelt ist, soll eine Vermittlung eingerichtet werden. Dabei soll auf die Nähe zum Wohnort oder eventuelle Zusatzkompetenzen geachtet werden. Studenten mit Fachkenntnissen in der Sprachförderung etwa sollen an Schulen vermittelt werden, die dafür erhöhten Bedarf haben.

Kindermediziner und Bildungsexperten warnen vor ungünstigen Entwicklungen durch die Pandemie für Bildung und die soziale Entwicklung, desto gravierender, je jünger die Kinder. Zweitklässler haben von eineinhalb Schuljahren ein ganzes Schuljahr unter Corona-Bedingungen mit Homeschooling und eingeschränkten Unterrichtszeiten erlebt. Daher sehen Experten an Grundschulen eine erhöhte Notwendigkeit, Bildungsrückstände aufzuholen. Die Ausdehnung auf weiterführende Schulen ist denkbar, heißt es.