Bahnprojekt

Stuttgart 21 entfremdet im Herbst 2010 Politiker und Bürger, bis die Lage eskaliert

Franz Schmider

Von Franz Schmider

So, 27. September 2020 um 09:58 Uhr

Deutschland

BZ-Plus Demonstrationen mit Wasserwerfern und vielen Verletzten: Stuttgart 21 entwickelte sich von einem Bahnhofsprojekt zu einem Politikum – und offenbarte eine neue gesellschaftliche Schicht: die Wutbürger.

Es sind nur wenige Schritte vom Schlosspark zum Haus der Geschichte, entsprechend schnell wurde in Stuttgart aus dem Subjekt politischen Handelns, dem hier geborenen Wutbürger, ein Objekt historischer Betrachtung. Während draußen weiterhin an Montagen unverdrossen gegen den längst im Bau befindlichen neuen Bahnhof demonstriert wird, hängt an einer hohen Betonwand im Haus der Geschichte ein Teil jenes Bauzauns, der einst den Abriss des Nordflügels des alten Stuttgarter Bahnhofes sicherte. Dabei bleibt offen, ob hier ziviler Ungehorsam gewürdigt oder durch Inobhutnahme ruhiggestellt wird.

Wutbürger als neues Phänomen in der Gesellschaft
"Eine neue Gestalt macht sich wichtig in der deutschen Gesellschaft: Das ist der Wutbürger", schrieb Dirk Kurbjuweit im Oktober 2010 im Spiegel und führte damit einen neuen Akteur in die Politik ein. "Er bricht mit der bürgerlichen Tradition, dass zur politischen Mitte auch eine innere Mitte gehört, also Gelassenheit, Contenance. Der Wutbürger buht, schreit, hasst. (…) Der Wutbürger macht nicht mehr mit, er will nicht mehr. Er will nicht mehr staatstragend sein, weil ihm der Staat fremd geworden ist."

Die polemische Abhandlung bezog sich 2010 nicht nur, aber primär auf den Protest gegen Stuttgart 21. Seither wird der Begriff so inflationär benutzt, dass nicht immer klar ist, was damit bezeichnet werden soll – und mit welcher Absicht. Er kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn die Protestmotive sehr heterogen sind, sie zu entwirren anstrengend ist und sich nur schwer eine Gemeinsamkeit finden lässt. Doch gerade für das Beispiel Stuttgart 21 findet der Stuttgarter Politikwissenschaftler Frank ...

Lesen Sie jetzt alle BZ-Inhalte!

Entscheiden Sie sich zwischen kostenloser Registrierung und unbegrenztem Zugang, um sofort weiterzulesen.

Gleich können Sie weiterlesen!

Exklusive Vorteile:

  • 5 Artikel/Monat kostenlos lesen - inkl. BZ-Plus-Artikel und BZ-Archiv-Artikel
  • Redaktioneller Newsletter mit den wichtigsten Nachrichten aus Südbaden
  • Qualitätsjournalismus aus Ihrer Heimat von 150 Redakteuren und 1500 freien Journalisten. Verwurzelt in der Region. Kritisch. Unabhängig.

Registrieren

kostenlos

  • 5 Artikel pro Monat kostenlos

  • BZ-Plus Artikel und BZ-Archiv-Artikel lesen

  • Redaktioneller Newsletter

  • Nutzung der Kommentarfunktion

* Pflichtfelder

BZ-Digital Basis

9,90€ / Monat

  • Lesen Sie unbegrenzt alle Artikel auf badische-zeitung.de inkl. BZ-Plus- und BZ-Archiv-Artikel
  • Unbegrenzter Zugang zur News-App mit optionalen Push-Benachrichtigungen
  • Entdecken Sie Südbadens kulinarische Welt mit dem BZ-Straußenführer, BZ-Restaurantführer und BZ-Vesper
  • Abonnenten der gedruckten Zeitung erhalten BZ-Digital Basis zum exklusiven Vorteilspreis

Anmeldung