Suche nach gutem Ersatz

Alexander Huber

Von Alexander Huber

So, 27. September 2020

Müllheim

In Müllheim wird über die Zukunft des Bahnhofs diskutiert.

Wie wird der zukünftige Bahnhof aussehen? Diese Frage beschäftigt derzeit viele Menschen in Müllheim und Umgebung. Die Bahn hat bereits erste Vorstellungen skizziert und ist dazu mittels einer Planungswerkstatt in den Dialog mit den Bürgern getreten. Und es gibt auch bereits einen ziemlich detaillierten alternativen Entwurf.

Die Müllheimer und ihr Bahnhof – das ist durchaus eine etwas kompliziertere Beziehung. Geklagt wird seit Jahr und Tag über die ungünstige Lage weit ab der Innenstadt, dennoch hängen die Bürgerinnen und Bürger an dem heutigen Bahnhofsgebäude, wie in persönlichen Gesprächen und Kommentaren in sozialen Netzwerken immer wieder zu hören ist. Obwohl die Bahn beteuert, dass der Müllheimer Bahnhof nicht wirklich etwas besonderes ist, kam es in der Stadt nicht gut an, dass er der Neubaustrecke der Rheintalbahn weichen muss. Die DB wird dort die zwei neuen Gleise verlegen, ein Abriss des bestehenden Gebäudes ist unvermeidlich.

Schon länger besteht die Sorge, dass der zukünftige Ersatz unzureichend ausfallen könnte. Müllheim verweist darauf, einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte zwischen Freiburg und Basel zu sein – eine Rolle, die im Kampf gegen den Klimawandel und die angestrebte Verkehrswende noch wichtiger werde. Und auch beim Bahnhofsgebäude selbst und seinem unmittelbaren Umfeld wünscht sich das Mittelzentrum eine angemessene Ausgestaltung.

Der Gemeinderat hat im vergangenen Herbst diesbezüglich seine Vorstellungen recht dezidiert formuliert und der Bahn übermittelt. In den Gesprächen, die seither zwischen Stadt und DB gelaufen sind, seien einige Fortschritte zu verzeichnen gewesen, berichtete Bürgermeister Martin Löffler. "Die Bahn hat sich auf alle Fälle bewegt. Das geht in die richtige Richtung", so Löffler.

Eine gewisse Skepsis bleibt dennoch zu spüren. Bei der unlängst erfolgten Vorstellung der ersten Pläne für den neuen Bahnhof durch Vertreter der Bahn im Müllheimer Gemeinderat wurden noch einmal etliche Wünsche ziemlich deutlich artikuliert – zum Beispiel ein beheizbarer Wartebereich oder ausreichend Gastro – und unter Umständen auch andere Einzelhandelsangebote.

Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz Markgräflerland (Agus) verweisen auf die wichtige Verzahnung der Bahn mit anderen Verkehrsträgern – insbesondere dem ÖPNV, aber auch dem Radverkehr. Die schon seit Jahrzehnten rührige Umweltgruppe, die stets auch beim Thema Verkehrspolitik ihre Stimme erhebt, hat einen eigenen Plan entworfen, der schon erstaunlich weit in die Details geht. Während nach den Vorstellungen der Bahn eine Art erweitertes Bahnsteigdach konstruiert werden soll, unter dem Räume für verschiedene Funktionen Platz finden könnten, sieht der Agus-Entwurf vor, den Bahnhof selbst in Form einer erweiterten Unterführung unter die Gleise zu schieben und auf der Ostseite einen großzügigen Bahnhofsvorplatz entstehen zu lassen, der um rund 4,50 Meter tiefer gelegt wird.

Den Vertretern der Agus ist klar, dass ihr Konzept eine finanzielle Beteiligung von kommunaler Seite voraussetzt. Das sei aber mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit des Verkehrsknotens Müllheim eine überaus wichtige Investition, sind die Umweltschützer überzeugt.

Die Bahn hat unterdessen betont, dass bei ihren Plänen noch nichts in Stein gemeißelt sei. Die Planungswerkstatt, zu der die DB die Müllheimer Bürger am Freitag und Samstag geladen hat, sollte daher nicht nur der Information, sondern auch dem Dialog dienen. Der Agus-Entwurf wurde dort ebenfalls eingespeist.