Braune Wissenschaft

Wulf Rüskamp

Von Wulf Rüskamp

Sa, 21. August 2010

Südwest

In umfangreichen Sammelbänden haben die baden-württembergischen Traditionsuniversitäten ihre NS-Geschichte aufgearbeitet.

Niemand habe ihm und seinen Kollegen Grenzen gesetzt in ihren Nachforschungen, sagt Urban Wiesing, Professor für Ethik und Geschichte der Medizin an der Universität Tübingen. Kein Nachkomme, keine besorgte Familie habe sich eingemischt, als es um die Aufarbeitung der Geschichte der Universität im Nationalsozialismus ging. Das "Dritte Reich" ist offenkundig Vergangenheit, auch für die, deren Angehörige tief darin verstrickt waren. Die Zeit der Freisprüche und Beschönigung scheint vorbei. Nun können unwidersprochen die Taten und die Namen der Täter im Klartext genannt werden: Der war NSDAP-Mitglied, jener hat mit antisemitischen Texten Wissenschaft betrieben, dieser hat an Zwangssterilisationen, an Entscheidungen der Euthanasie mitgewirkt.

Wo alles zugänglich ist, wo alles gesagt werden kann, fällt die Aufarbeitung entsprechend umfassend aus. Das Tübinger Team um Wiesing hat einen fast 1200 Seiten starken Band vorgelegt, der, wie im Vorwort sogleich erwähnt wird, beileibe keine vollständige Darstellung der Universität im "Dritten Reich" biete. Ein seit dem Jahr 2001 bestehender Arbeitskreis bleibt am Thema dran.

Vor vier Jahren hatte die Universität Heidelberg ihre Geschichte im Nationalsozialismus auf 1300 Seiten bewältigt. Die Universität Freiburg brauchte dafür im Rahmen ihrer Festschrift zum 550-jährigen Bestehen 2007 nur knapp 200 Seiten. Doch das täuscht: Davor und danach erschienen bis zu 1000 Seiten starke Bücher zu einzelnen Fakultäten, zuletzt eine 750 Seiten starke Doktorarbeit über das Rektorat Martin Heideggers sowie dessen Vorgänger und Nachfolger. Bernd Grün, der Verfasser, ist inzwischen in Tübingen tätig und hat an der dortigen NS-Geschichte ...

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