Neuanfang in Südbaden

Drei Syrer haben Zuflucht im Münstertal gefunden - aber sie haben Heimweh

Franz Schmider

Von Franz Schmider

Fr, 01. Juli 2016 um 14:09 Uhr

Südwest

Familiennachzug – der Ausdruck klingt technisch. Aber was bedeutet das? Wie geht es den Menschen, die ihre Lieben zu Hause zurück lassen? Ein Besuch im Münstertal.

Vor sich hat Abdulmajeed Sharifa ein Blatt Papier ausgebreitet, DIN-A4, die Knickkanten vom Falten sind deutlich zu sehen. Erstens wolle er sagen, wie froh er ist, dass sich jemand seine Geschichte anhört. "Dank danke zweiten der deutschen Regierung für uns zu erhelfen", liest er stockend von dem Blatt ab, korrigiert sich: "zu helfen". Er selbst hatte die Vorsilbe "er" gestrichen, aber beim Vorlesen war er unsicher geworden. Er atmet erleichtert durch, diese Hürde ist geschafft. Für den Anfang sogar mit Bravour. Ja, das wollte er sagen.

Abdulmajeed Sharifa ist 46 Jahre alt, stammt aus der Nähe von Damaskus, und es sind eigentlich zwei Geschichten, die er erzählen will. Die eine handelt von Syrien: Sein Haus steht nicht mehr, seine Mutter ist tot, einer seiner Brüder auch, er sei im Gefängnis gestorben. 2011 floh er mit seiner Frau und den drei Kindern in den Libanon, im August vorigen Jahres machte er sich zusammen mit einem der Söhne auf nach Deutschland. Es war der bekannte Weg: mit dem Schiff in die Türkei, dann mit dem Boot nach Griechenland, über den Balkan nach Bayern, Erstaufnahmestelle in Meßstetten, dann zwei Wochen in einer Gemeinschaftsunterkunft in Eschbach, seit Oktober in der Anschlussunterbringung in Münstertal.

Er telefoniert jeden Tag mit seiner Frau, er ist verzweifelt
Das sind die Fakten für die amtliche Buchführung. Zu der gehören auch: Er hat Ghaith mit dabei, ...

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