Gabi Schmidhuber

GESICHT DER WOCHE: "Stören keine Priesterweihe"

Toni Nachbar

Von Toni Nachbar

So, 12. Mai 2019

Südwest

Es herrscht Aufstandsstimmung im deutschen Katholizismus. Katholikinnen rebellieren gegen die exklusiv männerdominierte Kirchenhierarchie. Unter der Devise "Maria 2.0" wird nun sogar gestreikt, eine Woche lang wollen Mitarbeiterinnen sowie ehrenamtlich engagierte Frauen ihre Tätigkeit in der Kirche ruhen lassen.

Anders handhabt es die Freiburgerin Gabi Schmidhuber (51) aus der Maria-Magdalena-Gemeinde im Stadtteil Rieselfeld. Die Mathematik- und Chemie-Lehrerin am Waldkircher Gymnasium, die regelmäßig die Wortgottesdienst-Feiern vorbereitet und während der heiligen Messen die Lesung hält und die Kommunion verteilt, will nicht streiken. Denn, so ihre Überzeugung, eine "Arbeitsniederlegung" würde nicht den aus ihrer Sicht uneinsichtigen Klerus treffen, sondern die Gemeinde, für die die zweifache Mutter gerne ihren Dienst versieht.

Dafür, dass Geschlechtergerechtigkeit in die Kirche einziehe und Frauen Zugang zu allen katholischen Weiheämtern erhalten, wird Gabi Schmidhuber heute dennoch demonstrieren. Eine günstige Gelegenheit bietet sich für sie und ihre Mitstreiterinnen am Freiburger Münster, wo Erzbischof Stephan Burger sechs Männer zu Priestern weihen wird. Wenn die Geweihten und das gesamte Domkapitel feierlich das Münster verlassen, wollen Gabi Schmidhuber und Co. sich so postieren, dass die Kleriker sie nicht übersehen können. Über Effekt und Wirkung ihrer Protestaktion hat sich die Lehrerin mehr als nur einen Gedanken gemacht: "Die Priesterweihe werden wir nicht stören. Aber unsere Aktion soll in der Bischofskonferenz ankommen. So wie es bisher ist, darf es nicht mehr weitergehen. Es gibt keine überzeugende theologische Begründung, warum Frauen nicht zum Priesteramt zugelassen werden", sagt Gabi Schmidhuber. In einem Interview mit der Badischen Zeitung diese Woche hat sie das katholische Episkopat bereits gewarnt: "Nimmt man Frauen lange Zeit nicht ernst, muss die Institution damit rechnen, von den Frauen auch nicht mehr ernst genommen zu werden."

Dies hat Erzbischof Burger bereits zur Kenntnis genommen und öffentlich entgegnet: "Ich kann mir vorstellen, dass es frustrierend ist, wenn aufgrund des Geschlechts der Zugang zu dieser Berufung versperrt ist." Er aber müsse der Kirche und dem Papst gehorchen. Das katholische Dilemma ist offensichtlich . "Ich weiß das", sagt Gabi Schmidhuber, "aber man darf nicht aufgeben." TN