HINTERGRUND

Thomas Steiner

Von Thomas Steiner

Sa, 11. Juli 2020

Südwest

Unis wollen auf Präsenz nicht ganz verzichten

Vieles an den Hochschulen funktioniert auch digital gut, das hat das laufende Semester gezeigt. Einiges aber erfordert echte Anwesenheit. Der Jurist Thomas Puhl, Rektor der Universität Mannheim und stellvertretender Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz, nennt einige Punkte, an denen für die Universitäten im Land Präsenz unabdingbar ist.
Da sind zuerst die Erstsemester, die ihr Studium im Wintersemester aufnehmen. "Sie sind besonders bedürftig", so Puhl, "weil sie noch gar nicht wissen, wie Universität funktioniert, und sozialisiert werden müssen." Präsenzveranstaltungen, auch zum Kennenlernen, sind für sie besonders wichtig. Dann ist da das andere Ende des Studiums: Prüfungen und Kurse zur Examensvorbereitung müssten Vorrang bei der Raumplanung haben, "damit die Leute auch fertig werden".
Wegen der Abstandsregel stünden aber nur 10 bis 15 Prozent der Plätze in den Universitäten zur Verfügung. Auch beim Personal gebe es Engpässe, wenn etwa unabdingbare Laborkurse wegen der Abstandsregel in vier Kurse geteilt werden müssten, die zu verschiedenen Zeiten stattfinden.

Wenn auch ein Teil des Lehrbetriebs, vor allem der bloße Wissenserwerb, digital stattfinden könne, so Puhl, seien auch Diskursphasen notwendig, in denen Studierende erworbenes Wissen anzuwenden lernen.

In der Summe bedeute das, dass die Universitäten schnell an ihre Grenzen kommen. Und so, das betont der Mannheimer Rektor, könnten die Hochschulen – entgegen den Erwartungen der Öffentlichkeit – "nicht garantieren, dass das Studium nicht oftmals verlängert werden muss".