Baden-Württemberg

Kriminalität geht weiter zurück, Gewalt im öffentlichen Raum nimmt aber zu

Axel Habermehl, Frank Zimmermann

Von Axel Habermehl & Frank Zimmermann

Fr, 22. März 2019 um 20:09 Uhr

Südwest

Die Zahl der Straftaten geht weiter zurück – in Baden-Württemberg und auch in Südbaden. Ein wachsendes Problem ist indes die Gewalt im öffentlichen Raum. Und Freiburg bleibt das kriminellste Pflaster im Südwesten. Ein Überblick.

Der landesweite Trend rückläufiger Straftaten ist auch in Südbaden zu beobachten (siehe Infobox am Fuße des Artikels). Zwar bleibt Freiburg die kriminellste Stadt in Baden-Württemberg mit 10.781 Straftaten auf 100.000 Einwohner (Häufigkeitszahl) vor Mannheim (10.560) und den Städten Heidelberg (9031) und Karlsruhe (8230). Doch was die Gesamtzahl betrifft, werden auch in Freiburg die Straftaten weniger: Im Jahr 2018 wurden insgesamt 24.756 Straftaten gezählt, das sind 7,1 Prozent beziehungsweise 1900 Straftaten weniger als 2017.

"Baden-Württemberg ist und bleibt bei der inneren Sicherheit bundesweit Spitze." Innenminister Strobl
Bei der Vorstellung der polizeilichen Kriminalitätsstatistik des Jahres 2018 hatte Thomas Strobl (CDU) sichtlich gute Laune: "Baden-Württemberg ist und bleibt bei der inneren Sicherheit bundesweit Spitze", sagte der Landesinnenminister am Freitag. Rückläufige Zahlen bei den Straftaten (insgesamt 572.173), eine Kriminalitätsbelastung, die so niedrig ist wie seit 1990 nicht mehr, dazu eine Aufklärungsquote von fast zwei Drittel aller Taten: Die Entwicklung, die Minister Strobl präsentieren konnte, war so gut, dass er für seine Behauptung zur Sicherheit die noch ausstehenden bundesweiten Vergleichszahlen gar nicht abwartete. Doch im Detail sieht es teilweise anders aus.

Eigentumsdelikte

Das ist die größte Gruppe, sie macht rund die Hälfte aller Straftaten aus. Vor allem Diebstahl in allen Schattierungen kommt häufig vor – ein Drittel aller Taten im Land sind Diebstähle, ob Laden-, Fahrrad-, oder Taschendiebstahl. 2018 ist die Zahl um rund zehn Prozent auf 168.828 Straftaten gesunken (2017: 187.899).

Einbrüche

Fremde im Haus, der private Rückzugsbereich durchwühlt: Wohnungseinbrüche sind nicht nur des materiellen Schadens wegen ein großes Problem. Bei den Tätern handelt es sich oft um Profis, arbeitsteilig vorgehende Banden aus dem Ausland. Die Polizei hat Einbrüche seit Jahren zum Schwerpunkt erklärt, für 2018 kann sie immerhin einen Rückgang der Fallzahlen um 16 Prozent und ein Zehnjahrestief vermelden.

Von 2009 bis 2014 stiegen die Fallzahlen, also sowohl versuchte als auch vollendete Einbrüche, kontinuierlich, seitdem gehen sie zurück. Im Vergleich zu 2014 hat sich ihre Zahl vergangenes Jahr fast halbiert, sie lag bei 7126 Taten. Doch die Aufklärungsquote ist niedrig. Bis 2017 stieg sie bis auf 21,7 Prozent, nun erreichte sie nur 20,7 Prozent. Viele Taten, sagt Landespolizeipräsident Gerhard Klotter, würden erst nach der Rückkehr aus einem Urlaub angezeigt, das erschwere die Ermittlungen.

Angriffe

Gewalt gegen Polizisten hat einen Rekordwert erreicht. Im Jahr 2018 wurden 2390 Polizeibeamte verletzt. Das war gegenüber 2017 eine Zunahme von rund 22 Prozent. Strobl führt die Attacken auf "Verrohungstendenzen in der Gesellschaft" zurück. Der CDU-Innenminister berichtete auch von Gewalt gegen Feuerwehrmänner oder Sanitäter.

Eine Verringerung erhofft er sich von der Einführung der Bodycams, im Bereich des Polizeipräsidiums Freiburg werden die Schulterkameras seit zehn Tagen eingesetzt. Bis zum Sommer sollen Streifenpolizisten aller Reviere im Land so ein Gerät am Körper tragen. Strobl hofft auf eine bessere Beweissicherung, aber auch auf eine deeskalierende Wirkung.

Öffentlichkeit

Die Straftaten im öffentlichen Raum gingen insgesamt um 3,2 Prozent auf 252.660 Fälle zurück. Delikte im öffentlichen Nahverkehr nahmen sogar um 11,6 Prozent ab auf 68.138 Fälle. Doch die Zahl sogenannter Aggressionsdelikte in der Öffentlichkeit stieg um fünf Prozent auf 27.444 Fälle. Besonders krass erhöhte sich die Zahl der Sexualdelikte im öffentlichen Raum: Sie stieg um 21 Prozent.

Strobl führte das sowohl auf die Einführung des Straftatbestandes der sexuellen Belästigung im Jahr 2016 zurück – allein die Zahl der sexuellen Belästigungen sei 2018 um 46,2 Prozent gestiegen – als auch auf eine gestiegene Sensibilität. "Möglicherweise passiert gar nicht mehr, aber es wird mehr angezeigt", vermutete Strobl. Asylbewerber sowie Flüchtlinge sind dabei als Tatverdächtige deutlich überrepräsentiert. Die Polizei hat Sexualdelikte 2019 zum Schwerpunkt erklärt.

Reaktionen

Die Koalitionsparteien Grüne und CDU zeigten sich vor allem stolz auf die guten Entwicklungen und lobten die Arbeit der Polizei. Dagegen hob die Opposition besonders die Gewalt im öffentlichen Raum sowie die Übergriffe gegen die Polizei hervor und nutzte die Gelegenheit zur Kritik an der Landesregierung. SPD-Innenpolitiker Sascha Binder erklärte: "Wenn die Menschen in unserem Land das Gefühl haben, sich nicht mehr sicher im öffentlichen Raum bewegen zu können, ist das fatal." Der CDU-Innenminister habe das Thema Prävention im öffentlichen Raum vernachlässigt.

Ulrich Goll, innenpolitischer Sprecher der FDP, befand: "Der Blick auf den Rückgang der Gesamtzahl der Straftaten im Land darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einzelnen Bereichen der Kriminalität einen gegenläufigen Trend zu verzeichnen haben."
Rückgang der Straftaten auch in Südbaden



Der Kreis Breisgau-Hochschwarzwald kommt auf eine Häufigkeitszahl von 4452 (2017: 4634) und 11.681 Straftaten (2017: 12.068), das ist ein Rückgang um 3,2 Prozent.

Der Kreis Lörrach verzeichnet 6757 Straftaten auf 100 000 Einwohner (2017: 7090) und insgesamt 15 427 Delikte (2017: 16.132), 4,4 Prozent weniger als im Vorjahr.

Im Landkreis Waldshut registrierte die Polizei 2018 auf 100 000 Einwohner 3886 Straftaten (2017: 3969) und insgesamt 6614 Delikte (2017: 6702), das sind minus 1,3 Prozent.

Im Kreis Emmendingen beträgt die Häufigkeitszahl 3886 (2017: 3949), und es gab insgesamt 6400 Straftaten (2017: 6446; minus 0,7 Prozent).

Und im Ortenaukreis kommen auf 100 000 Einwohner 5878 Delikte (2017: 5911) bei insgesamt 25 035 Straftaten (26.156), das ist ein Rückgang um 4,3 Prozent.

Die Details zur Kriminalität in den Städten und Landkreisen des Polizeipräsidiums Freiburg werden in den nächsten Tagen in gesonderten Pressekonferenzen bekanntgegeben.