Flüchtlinge in Südbaden (5)

Willkommen in der Pflicht: Wie Kommunen mit den Flüchtlingen umgehen

Stefan Hupka, Franz Schmider, Ulrike Sträter

Von Stefan Hupka, Franz Schmider & Ulrike Sträter

Di, 11. August 2015 um 08:43 Uhr

Südwest

Die Kommunen in Südbaden haben zunehmend Mühe mit der Unterbringung von Flüchtlingen. Mancherorts mischt sich Hilfsbereitschaft mit lauter werdendem Murren. Ein Besuch in Au, Lahr und Lörrach.

Die Landkreise, Städte und Gemeinden stehen bei der Unterbringung von Flüchtlingen und Asylbewerbern vor großen Problemen. In vielen Fällen findet sich geräuschlos eine Lösung, an manchen Orten regt sich Protest – und das ist keineswegs eine Frage der Größe. Wir haben uns exemplarisch in drei Gemeinden umgesehen.

Au baut ein Haus – für Flüchtlinge
Wenn die wunde Welt nicht im Fernsehen bleibt, sondern in der heilen Welt ankommt, macht das die Menschen erst einmal beklommen. So kann man es nennen, was sich da atmosphärisch an einem Juliabend im Bürgerhaus von Au ausbreitet. Keiner lacht, keiner schimpft, keiner agitiert – die meisten der knapp 200 Zuhörer blicken nur tiefernst.

Die Gemeinde Au, deshalb sind die Leute hier beim Infoabend, will ein Haus bauen – in ihrer Dorfmitte, ein Haus für Flüchtlinge, vielleicht für zwölf, vielleicht bald zwanzig. Sie will nicht nur, sie muss. Weil sie sonst Zelte hinstellen müsste oder Container. Nur eines geht nicht: Die Menschen, die da kommen werden, wieder wegschicken. Das wäre nicht nur rechtswidrig, es verstieße auch gegen den Geist dieser selbstbewussten kleinen Gemeinde.

Es ist eine sehr heile Welt hier im Hexental am Südrand Freiburgs, die Landschaft lieblich, die Grundstückspreise hoch, die Häuser von hohem Ökostandard. Das Gemeinwesen des 1200-Einwohner-Orts wirkt intakt, Musikverein, Chor, Feuerwehr. Nun soll in dieser heilen Welt die wunde Welt Einzug halten, vis-à-vis dem Rathaus, direkt neben einem Schlösschen.

Es gehört Wolf und Renate Lindner, und die beiden wollen das neue Nachbarhaus nicht. "Wenn es gebaut wird", sagt Wolf Lindner, "dann wird es auch vollgemacht. Alles andere ist Augenwischerei." Der 67 Jahre alte Physiotherapeut und die vier Jahre jüngere Lehrerin haben 183 Unterschriften gesammelt, für ein Bürgerbegehren: Das richte sich, versichern sie, nicht gegen ...

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