Sülze kostet weniger als Kollagen

Gudrun Gehr

Von Gudrun Gehr

Mo, 23. September 2019

Maulburg

Kabarettistin Inka Meyer legt rasanten Auftritt im Maulburger Kulturhaus Dorfstübli hin / Die Schönheitsindustrie im Visier.

MAULBURG. Die Macher des Kulturhauses Dorfstübli haben bei der Programmgestaltung wieder einmal ein glückliches Händchen bewiesen. Ein Feuerwerk aus Humor und Wortwitz prasselte am Freitagabend auf die Zuschauer im vollbesetzten Saal nieder. "Der Teufel trägt Parka" lautete das neue Programm von Kabarettistin Inka Meyer, die auf der Kleinkunstbühne schon zum zweiten Mal gastierte.

Die – nach eigenen Worten – aus Mittelfranken stammende Pfälzerin mit friesischem Migrationshintergrund verstand es bravourös, in ihr Kabarettprogramm das Publikum spontan einzubeziehen, das sich oft vor Lachen bog und begeisterten Szenenapplaus spendete. Nicht nur ihre geschliffene Sprache, sondern auch die beeindruckende schauspielerisch-komödiantische Fähigkeit überzeugte die Gäste.

Hauptthema des aktuellen Meyer-Programms ist ein satirisches Plädoyer gegen den Wahnsinn der Schönheitsindustrie und die Entlarvung der oft widersinnigen Versprechungen. Meyer: "Wir sind so besessen von Schönheit und Ernährung, dass wir gar nicht merken, wie wir veräppelt werden." Die Versprechungen der Hochglanzmagazine lauteten "So verliere ich zwei Kilo in zwei Stunden" – und anbei befindet sich dann ein Tortenrezept. Den Besuchern im Dorfstübli präsentiert sie ihre Lieblingsanzeige: "Schönheit kann man jetzt trinken. Die Kollagen-Trinkampullen, 28 Stück für 89 Euro." Anschließend erklärt die Künstlerin den amüsierten Gästen: "Kollagen wird aus Schlachtabfällen gewonnen. Eindeutig billiger wäre hier Schweinskopfsülze".

Die spritzigen Pointen präsentierte die Fränkin dabei mit dem Florett, nicht mit der Keule. Die Botschaft der Mode- und Kosmetikbranche sei klar: "Frauen, ihr lauft aus, werdet alt, seid zu fett und habt zu viele Haare." Selbstverständlich wisse die Branche um Abhilfe beim unaufhaltsamen Alterungsprozess – gegen die Zahlung von zig Milliarden Euro jährlich, versteht sich. Immer wieder nimmt die quirlige Komödiantin beide Geschlechter aufs Korn. Tigerpenisse sind angeblich gut für die Potenz. Meyer hat ihre Zweifel "Selbst der rückständigste deutsche Mann sagt, Potenz durch Tigerpenisse sei Unfug. Hier würde nur noch ein Porsche helfen."

Die Fränkin erstaunt dabei mit Sprachtempo und einer Fähigkeit zu schier unendlicher Themenvariation. Für ihre Pointen, die oft mit zackiger Schnelligkeit daherkommen, fordert sie vom Publikum ein rasantes Mitdenken ein. Beispiele gefällig? "Ich erkläre Euch, was Stalking ist. Wenn zwei Leute nachts im Park spazieren gehen und nur einer weiß davon." Und sie zitiert den großen Sprachkünstler Heinz Erhardt: "Was uns vom Affen unterscheidet, ist nur der Fakt, dass man sich kleidet. Warum man sonst Textilien macht, das hat noch keiner rausgebracht."

Auch die trotz des Artensterbens nicht nachlassende Anziehungskraft von Pelzmänteln nimmt Meyer satirisch auf die Schippe: "Mit allerschlechtestem Beispiel geht hier Melania Trump, die First Lady der USA,voran. Die Frau ist mir ein Rätsel: Wenn sie ein wuscheliges Fell will, könnte sie doch einfach ihrem Gatten das Toupet stibitzen." Viele Sänger würden Pelze verwenden. "Daher heißt Justin auch Bieber." Die Gäste bedankten sich bei Inka Meyer für den überaus amüsanten Abend mit langanhaltendem Applaus.

Termin: Wer Inka Meyer verpasst hat: Am 8. November, 20 Uhr, tritt die fränkische Kabarettistin nochmals im Vorderhaus in Freiburg auf.