Tagespflege feiert ihr 20-jähriges Bestehen nicht

Susanne Eschbach

Von Susanne Eschbach

Sa, 19. September 2020

Bad Säckingen

Corona macht Strich durch die Rechnung / Im St. Josefshaus sind auch ein ambulanter Pflegedienst und Betreutes Wohnen untergebracht.

. Wegen Corona wird es auch diese Feier nicht geben: Vor 20 Jahren wurde das St. Josefshaus, das mit großem Aufwand und viel Fingerspitzengefühl umgebaut worden war, von einem Altenheim zur ersten Tagespflege in Bad Säckingen. "Es wird wieder eine Zeit danach geben und dann wird das Fest nachgeholt", sagt Kreisgeschäftsführer Thomas Bomans von der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Vor 20 Jahren kamen nicht nur die ersten Gäste in die Tagespflege, auch der Ambulante Pflegedienst und die ersten Bewohner des Betreuten Wohnen zogen ein. "Es war eine spannende Zeit", resümierte der Kreisgeschäftsführer.

Mitte der 1990er-Jahre hatte der Bad Säckinger Gemeinderat darüber diskutiert, ob das Gebäude, das bereits 1458 zum ersten Mal urkundlich erwähnt worden ist, abgerissen oder umgebaut werden soll. "Ich war damals noch Mitglied des Gemeinderates und war für den Erhalt", erinnert sich der AWO-Kreisvorsitzende Hidir Gürakar. Er stimmte damals ebenfalls für den Umbau des Hauses, das bis heute im Besitz des Pfründ- und Spitalfonds ist, dessen Stiftungsrat sich aus den Mitgliedern des Bad Säckinger Gemeinderates zusammensetzt. Bürgermeister Alexander Guhl, ist Kraft Amtes der Vorsitzende.

Den Umbauarbeiten ging eine lange Zeit der Planung voraus, in der die AWO und die Stadt eng zusammenarbeiteten. Architekt war damals der frühere Stadtbaumeister Michael Rohrer. "Ich bin ein Bad Säckinger Urgewächs", so Rohrer. "Das Haus war immer etwas besonderes für mich. Doch der Zustand war marode, die Substanz aber gut." Von Anfang an war für ihn klar: Er wollte das alte St. Josefshaus zeigen. "Es hat unheimlich viel Freude gemacht, dieses Haus zu planen", sagt der frühere Stadtbaumeister.

Insgesamt zwei Jahre dauerten die Umbauarbeiten an dem Gebäude, das komplett entkernt wurde. Der Brandschutz in dem alten Bau, der früher als Armenhaus gedient hatte, später Lehrern Obdach gab und zu Bad Säckingens erstem Spital wurde, war die größte Herausforderung. Doch: "Alle Probleme, die es gab, wurden gelöst", so Bürgermeister Alexander Guhl. Obwohl vor 20 Jahren noch nicht im Amt, kennt Bürgermeister Alexander Guhl das Josefshaus. Guhl ist bereits sei 20 Jahren AWO-Mitglied und besuchte das Haus kurz nach dem Umbau. "Tagespflege ist ein spannendes Thema", sagt Guhl. "Es eröffnet neue Möglichkeiten für ein selbstbestimmtes Leben."

Heute verfüg das St. Josefshaus über 15 Tagesplätze, von denen aufgrund der Pandemie aktuell nur neun genutzt werden. Insgesamt zehn Ein- und Zweizimmerwohnungen in einer Größe von 30 bis 45 Quadratmeter sind vorhanden, von denen momentan alle belegt sind. "Und es gibt eine Warteliste", betont Andrea Kreiter, die für das Betreute Wohnen im Haus zuständig ist. Die Ambulante Pflege im Haus, hat sich in den zurückliegenden Jahren verdreifacht und bietet heute 68 Menschen Arbeit. "Wenn wir auf die Jahre zurückblicken, können wir getrost sagen, dass es uns gelungen ist, ein Haus geschaffen zu haben, in dem sich die Bürger wohlfühlen", so Hidir Gürakar.