Tempo, Witz und Akrobatik

Bettina Gröber

Von Bettina Gröber

Fr, 08. November 2019

Freiburg

Comedian Konrad Stöckel moderierte gestern die Premiere des Varietés am Seepark / Vorstellungen bis 17. November.

FREIBURG. Den Ursprüngen ebenso verpflichtet wie den Geboten einer modernen Show präsentiert sich das Varieté am Seepark seit mehr als 20 Jahren. Das aktuelle Programm haben die Macher rund um Christoph Mack und seine Frau Adelheid g

anz pointiert auf das Zusammenspiel von Gestern und Heute, von Bewährtem und Bestaunenswertem angelegt – mit Erfolg: Auch 2019 überzeugt die Choreografie, die internationale Artisten und Akrobaten mit ihren Darbietungen auf die Bühne bringen. Am gestrigen Donnerstag gab es dafür bei der Premiere viel Applaus.

Eigentlich widmet er sich der witzig-lehrreichen Inszenierung wissenschaftlicher Phänomene – doch im Varieté übernimmt Konrad Stöckel zunächst einmal die Rolle des Moderators, der phänomenale künstlerische Leistungen ankündigt. Der TV-bekannte Comedian mit den wild abstehenden Haaren geleitet das Publikum durch rund zwei Stunden, in denen Bälle ebenso durch die Luft wirbeln wie menschliche Körper, Gläser ebenso in schwindelerregender Höhe schweben können wie Arme und Beine – die Künstlerinnen und Künstler zeigen schlicht internationale Klasse.

Breakdance und Balanceakte

Yasmin dell’ Acqua ist eine Virtuosin im Jonglieren mit den Füßen. Bis zu sechs Gegenstände gleichzeitig lässt sie, auf dem Rücken liegend, über sich rotieren. Dagegen drosselt Marc Mydras das Tempo der Show gehörig – um nach einem kurzen Durchatmen die Varietébesucher gleich wieder zum Luftanhalten zu zwingen: Fragile Gläser, auch Dolche und Degen balanciert er mühelos mit dem Mund. Das Duo "Battle Beasts" gewinnt die Sympathien der Zuschauerinnen und Zuschauer mit seiner sehenswerten, weil abwechslungsreichen Kombination aus Breakdance und akrobatischen Elementen. Sie stehen Kopf, sie verschlingen sich ineinander und lösen das Knäuel dann elegant wieder auf: Über Körperkraft und Gleichgewichtssinn verfügen die beiden Herren offensichtlich in überdurchschnittlichem Maß. Jeton bereichert das Programm um die Spielart der Gentleman-Jonglage, die Stilsicherheit mit Geschick kombiniert.

Hélène Ramers akrobatische Heimat ist die Pole-Stange. Grazil-geschmeidig schmiegt sich die junge Frau an das Gerät, scheint fast schwerelos nach oben zu gleiten – und schafft es sogar, sich im selben Zug in Jacke, Hose und Hut zu kleiden. Rollschuhlaufen in Rekordgeschwindigkeit ist dagegen das Metier des Duo Ferrandino. Als Schlussnummer spricht das Paar all jene an, denen es auf der Bühne nicht schnell genug gehen kann. Konrad Stöckel brilliert mit Wissen und Können und beschert dem Publikum einige zusätzliche Überraschungsmomente bescheren. Ob Staubexplosion oder Schallkanone – der Komödiant baut im Varieté ganz auf das Motto seines aktuellen Soloprogramms: "Wenn’s stinkt und kracht, ist’s Wissenschaft", das darf auch das Freiburger Publikum live erleben.

Nicht nachmachen: Das gilt nicht nur für derlei Experimente, sondern für alle Kunststücke, die das Varieté und seine Artisten darbieten. Hingehen ist allerdings erlaubt.