Für mich soll’s rote Rosen regnen

Heidi Ossenberg

Von Heidi Ossenberg

Fr, 24. Mai 2019

Theater

Das Theater Spielzimmer zeigt "Feminismus im Freien".

Wann wurde wohl jemals an einem Abend ein Liedtext des Schlagersängers Costa Cordalis ("Anita") und Passagen aus einer Schrift der feministischen Philosophin Judith Butler ("Das Unbehagen der Geschlechter") zitiert? Wann traf aktuelles Zahlenmaterial der Bundeszentrale für politische Bildung über die Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen auf Tipps von der Profi-Stripperin Libby Jones für die Ehefrau der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts?

Das passierte bei der szenischen Lesung "Feminismus im Freien" des Freiburger Theaters Spielzimmer, die jetzt vor und (wegen des einsetzenden Regens) in der Gaststätte des Vorderhauses stattfand. Helena Barop hat die – sicher nicht einfache – Aufgabe übernommen, Texte, Gedichte, Lieder und Statistiken auszuwählen, die zum Thema passen. Feminismus ist für das Team, zu dem neben Helena Barop die Vortragenden Annabel Bentler, Deborah Ewert und Michael Barop gehören, auch die Frage: "Was für ein Mensch will ich sein?"

Texte mit ganz unterschiedlichen Aussagen, Zielgruppen und Ansprüchen miteinander zu kombinieren und dafür Aufmerksamkeit einzufordern, bedarf einer Haltung. Spielzimmer hat ein Thema als gesellschaftlich relevant erkannt und fordert das Publikum auf mitzudenken. Dabei gelingt es Bentler, Ewert und Barop stets, Leichtigkeit mit Tiefgang zu verbinden. Und so durchleben die Zuschauer ganz unterschiedliche Emotionen während dieser gut 70 Minuten: Bewunderung für Hilde Domins kluge Freiheits-Rufe im Gedicht "Ich will dich". Erstaunen über die Statistik, die zeigt, dass im deutschen Handelsregister die ersten 61 (!) Vornamen männliche sind. Empathie für die von Eve Ensler in den "Vagina Monologen" befragte Frau, die die Scham vor der eigenen Lust ein Leben lang nicht überwinden konnte. Spaß an der detaillierten Beschreibung von Libby Jones, wie eine Ehefrau den Gatten mit der Entledigung ihres Hemdchens in Wallung versetzen kann. Abscheu bei der Imitation von Donald Trumps "Grab ’em by the Pussy"-Anmache. Und Wehmut über das von Deborah Ewert zupackend vorgetragene Knef-Lied "Für mich soll’s rote Rosen regnen". Herzlicher Applaus für eine gelungene Ensembleleistung.

Theater Spielzimmer kann jeder buchen. Kontakt über http://www.spielzimmer-freiburg.de