Rust / Freiburg

Tote Artistin: Ermittler legen Beschwerde gegen Freilassung ein

Klaus Fischer

Von Klaus Fischer

Mo, 14. Oktober 2019 um 16:58 Uhr

Rust

Die Schwurgerichtskammer hat im Fall der 33-Jährigen, die tot im Rhein gefunden worden war, die Freilassung des Verdächtigen angeordnet. Dagegen legt die Staatsanwaltschaft nun Beschwerde ein.

Die Staatsanwaltschaft sieht weiterhin einen dringenden Verdacht, dass der von ihr Beschuldigte für den Tod der Frau verantwortlich ist – und hat gegen den Beschluss der Schwurgerichtskammer am Landgericht Freiburg, gegen einen 30-Jährigen ein Verfahren wegen Totschlags nicht zu eröffnen, Beschwerde angelegt.

Der Leichnam der 33-jährigen Frau war von Spaziergängern am 18. Mai an einem Altrheinarm bei Rust gefunden worden. In der Begründung zur Abweisung des Verfahrens erklärt das Gericht, dass seiner Auffassung nach der Beschuldigte zwar den Leichnam im Altrhein versenkt habe – dass er aber auch für den Tod der Frau verantwortlich ist, sei nicht zweifelsfrei gesichert. Der Beschuldigte wurde unmittelbar nach der Entscheidung des Gerichts am vergangenen Freitagmorgen aus der Untersuchungshaft entlassen.

Der Tatvorwurf

Der Beschuldigte hatte, wie die getötete Frau aus der Ukraine auch, unter anderem als Artist für den Europa-Park gearbeitet. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm vorgeworfen, Ende April 2019 in einem gemeinsam benutzten Wohnwagen auf dem so genannten Trailer-Platz des Europa-Parks in Rust vermutlich nach einer zuvor verbal geführten Streitigkeit über die künftige künstlerische Zusammenarbeit und der künftigen persönlichen Beziehung getötet zu haben, in dem er mit bloßen Händen oder mit einem weichen Gegenstand ihre Atemwege bedeckt und damit die Sauerstoffzufuhr so lange verhindert habe, bis der Tod eingetreten sei. Anschließend habe er deren Leiche in einer Plastikfolie verpackt, mit Hantelgewichten beschwert und im Altrhein versenkt.

Freiburger Rechtsmedizin: Keine Anzeichen von Gewaltanwendung

Die Ablehnung, ein Verfahren wegen Totschlags zu eröffnen, begründet das Schwurgericht damit, dass kein "hinreichender Tatverdacht" vorliege. Zudem bleibe die Todesursache nach "intensiven rechtsmedizinischen und toxikologischen Untersuchungen" durch die Freiburger Rechtsmedizin nach wie vor unklar. Der Leichnam habe keine Anzeichen von Gewaltanwendung gezeigt.

Indes geht das Gericht davon aus, dass der Beschuldigte mit "an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" die Leiche der Frau selbst in einen Kunststoffsack verpackt, mit Gewichten beschwert in der oben beschriebenen Weise verpackt, zum Altrhein transportiert und dort im Wasser abgelegt hat. Dennoch, so die Auffassung des Gerichts, könne ein "hinreichender Tatverdacht im Sinne eines Tötungsdeliktes" nicht begründet werden, weil Polizei und Staatsanwaltschaft weder einen Anhaltspunkt für die Todesursache noch ein Motiv des Mannes für die Tötung der Frau ermittelt hätten.

Keine Haftentschädigung

Mit anderen Worten: Das Schwurgericht am Landgericht Freiburg geht zwar davon aus, dass der Beschuldigte den Leichnam der Frau eingepackt und im Altrhein versenkt habe, dass er aber eindeutig für den Tod der Frau verantwortlich gemacht werden könne, sieht das Gericht nicht. Weil die Ablage der Leiche im Altrhein vom Gericht als gesichert scheint, wurde dem Beschuldigten keine Haftentschädigung für die fünf Monate lange Untersuchungshaft gewährt.

Im Gegensatz zur Strafkammer hält die Staatsanwaltschaft nach umfangreichen Ermittlungen der Polizei die vorsätzliche Tötung der 33-Jährigen für erwiesen und reichte deshalb am Montag beim Schwurgericht sofortige Beschwerde gegen die Entscheidung ein.

Unterdessen sieht das Schwurgericht für die Vorwürfe des Computerbetrugs in drei Fällen – der Beschuldigte soll mit der EC-Karte der Getöteten nach deren Tod Geld von deren Konto abgehoben haben – als nicht aus der Luft gegriffen. Wegen dieser Vergehen muss sich der 30-Jährige vor dem Amtsgericht Ettenheim verantworten.