Trainer Böttcher: "Sie war in Ruhpolding überfordert"

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Mi, 25. November 2020

Biathlon

Die Schwarzwälder Biathletin Christin Maier kämpft nach ihrer Rückkehr mit gesundheitlichen Problemen – jetzt hofft sie wieder.

. Geschichte wiederholt sich. Diese handelt von einer Biahtletin aus dem Schwarzwald, die in den verschiedenen Nachwuchsklassen national stets zu den Besten gehörte. Auch international feierte sie Erfolge: Als Juniorin sicherte sich Christin Maier (SC Urach) bei der Europameisterschaft in Slowenien drei Medaillen (Silber und zweimal Bronze), anschließend bei den Aktiven lief sie im IBU-Cup, international nach dem Weltcup die zweite Liga, als Sechste und Siebte unter die besten zehn. "Von ihren Fähigkeiten her war Christin Maier bei den Juniorinnen stärker einzuschätzen als Janina Hettich", sagt Stützpunkttrainer Roman Böttcher (Furtwangen).

Bei der Weltmeisterschaft der Juniorinnen 2017 in Brezno-Osrblie (Slowakei) war Maier für das erste Einzelrennen nominiert, doch als es draußen um die WM-Medaillen ging, lag sie drinnen mit Fieber im Bett. Janina Hettich (SC Schönwald) rückte für sie nach und sammelte erste WM-Erfahrungen. Die Leistungskurven der beiden Schwarzwälder Biathletinnen kreuzten sich damals und während die von Hettich fortan anstieg, begann für Maier eine Berg- und Talfahrt ohne erkennbare Konstanz. Mittlerweile kann Janina Hettich auf eine Reihe gelungener Weltcupeinsätze zurückblicken, sie stand im deutschen WM-Team für Antholz (Italien) und bereitet sich derzeit mit der Ia-Lehrgangsgruppe des Deutschen Skiverbands in Muonio (Finnland) auf die internationale Saison vor.

Und Christin Maier? Sie ist zu Hause in Furtwangen-Katzensteig und fiebert sehnsüchtig dem Moment entgegen, wenn sie die schmalen Skatingski endlich wieder unter ihre Füße schnallen und loslaufen kann, das Kleinkaliber-Gewehr auf dem Rücken. Die 24-Jährige konnte in den vergangenen Wochen nicht trainieren, Magen-Darmprobleme hinderten sie daran. "Sie hat wohl einiges in Ruhpolding nicht verkraftet", vermutet Böttcher. Der Schritt von Maier, 2019 vom Schwarzwald an den Bundesstützpunkt in Ruhpolding zu wechseln, hat nicht die Leistungssteigerung gebracht, die sie sich erhofft hatte. Im Gegenteil, von Anfang an war der Wurm drin. Beim Joggen zog sie sich im Oktober 2019 einen Außenbandriss im Knöchel zu. Ein paar Wochen später knickte sie erneut um, und als sie dann endlich wieder in Form war und starten wollte, wurde sie krank. Sie beendete die vermaledeite Saison ohne Wettkampfeinsätze vorzeitig. Obwohl sie rückblickend von einem "schönen Jahr in Ruhpolding" redet, "es hat mir dort gefallen", sendet ihr Körper andere Signale. Böttcher: "Sie war in Ruhpolding überfordert und hat gesundheitliche Probleme bekommen."

Maier: "Ich war lange krank, jetzt ist ein Ende in Sicht"

Christin Maier ist zurück im Schwarzwald, die Ärzte haben eine Magenschleimhaut-Entzündung diagnostiziert. "Ich war lange krank, aber jetzt ist ein Ende in Sicht", sagt Christin Maier. Sie möchte alsbald wieder ins Training einsteigen, mit dem Formaufbau beginnen. "Dann wird man sehen, wie’s läuft", sagt sie mit Blick auf Wettkampfeinsätze.

Annika Knoll war vor ein paar Jahren ebenfalls aus dem Schwarzwald fortgegangen und hatte zwei Jahre am Stützpunkt in Ruhpolding zugebracht. Auch die Biathletin vom SV Friedenweiler-Rudenberg verfügte über hinreichend Talent, gewann als Juniorin mit der deutschen Staffel den WM-Titel. Auch sie kehrte in den Schwarzwald zurück, auch sie plagte sich anschließend mit Magen-Darm-Problemen herum, die sie zum Karriereende zwangen: "Ja, es gibt Parallelen", sagt Trainer Roman Böttcher.

Und es gibt noch einen weiteren Fall, der Ähnlichkeiten aufweist: Roman Rees vom SV Schauinsland trainierte ebenfalls am Stützpunkt in Ruhpolding, voran kam er dort nicht. Erst als er ein Großteil seines Trainings wieder im Schwarzwald absolvierte, nahm seine Karriere wieder Fahrt auf. 2019 gewann er mit der deutschen Staffel bei der WM in Östersund die Silbermedaille. Derzeit bereitet sich Rees mit den besten Biathleten Deutschlands in Muonio auf die Saison vor.