Trommel trifft Cello

Marion Klötzer

Von Marion Klötzer

Sa, 23. Februar 2019

Theater

"Drin" : Musiktheater für Kinder am Theater Freiburg.

"Psst, sie schläft!", wispert das Personal am Einlass – wer und wo, das ist im Werkraum des Theater Freiburgs aber noch nicht zu sehen. Dafür gibt es auf der ziemlich dunklen Bühne jede Menge geheimnisvolle Kisten, 20 sind es laut Ankündigungstext: sehr große und ganz kleine, manche leuchten, manche haben Löcher, Spalten oder Vorhänge, die meisten sind zu einer meterhohen Wand gestapelt. Was da wohl drin ist? "Drin" ist auch der Titel des instrumentalen Figurentheater-Stücks, das jetzt als drittes Nachwuchs-Stipendium der Theaterstiftung im Rahmen "Performance-Projekte für Kinder und Jugendliche" Premiere feierte.

Es ist eine fantasievolle Szenencollage in fantastischer Kulisse, die sich die Musikerinnen Teresa Grebtschenko und Marie Schmit ausgedacht, gebaut und eingerichtet haben. Eine Art gigantisches Pop-Up-Bilderbuch mit vielen Klappen, auf dessen Minibühnen immer neue Geschichten erzählt werden: ohne ein einziges Wort, dafür mit einer überbordenden Fülle an Spielideen, Tönen und Geräuschen. Eine schillernde Musikwelt mit belebten Gegenständen, in der es pausenlos Lustiges, Erstaunliches und Zauberhaftes zu erleben gibt.

Einziges Manko: Eine wirkliche Story und mit ihr der große Spannungsbogen fehlt, genauso wie Momente der Interaktion mit dem jungen Publikum. Das ist zwar gebannt, aber immer wieder auch ziemlich ratlos. Denn was wird hier eigentlich erzählt?

Es beginnt mit einem Hörspiel: Denn nun schnarcht es aus einer der Kisten, dann hört man erst ein Metronom, dann Weckerklingeln, tapsende Schritte und Türengeklapper, gefolgt von geschäftigem Badezimmer- und Frühstücks-Gewerkel. Bis Marie Schmit nach einer Portion rauchendem Rührei mit einem umgebundenen Cello aus ihrer Box klettert, hat Teresa Grebtschenko längst mit goldenen Inliners und einer vor das Gesicht geschnallten Trommel die Bühne erobert. Auch sie ploppt wie eine freche Ballerina aus einer der Kisten. Zwei sehr unterschiedliche Instrumente begegnen sich da mit viel Clownerie, passen nicht zueinander und trennen sich wieder.

Das ist schade, auch wenn Cello und Trommel als Miniaturfiguren immer wieder auftauchen, ob tanzend auf einem sich drehenden Plattenteller oder als poetisches Schattentheater. Die Charaktere bleiben blass, ihre Begegnungen und Annäherungen sind nur kleine Intermezzi in einem bunten Bilderbogen. Dabei führt der Weg von drin nach draußen: Nach der Percussion auf einem Goldfischglas, Kazoo-Konzerten, einer Popcorn-Performance und Quietschtier-, Fuß- und Tröt-Experimenten wird eine aufgeklappte Kiste zur Wiese. Vogelgezwitscher und Insektengesumm ist zu hören, bis eine Reihe von Standventilatoren eine magische Sturmkulisse produziert. Dann geleiten die Performerinnen ihr Publikum in einem bunten Gauklerzug wirklich nach draußen...

Weitere Aufführungen: 23. Feb., 16 Uhr; 24. Feb. und 17. März, 11 Uhr; 16. und 24. März, 17 Uhr, Werkraum, Theater Freiburg.