Trotz allem kein Klagelied angestimmt

Barbara Ruda

Von Barbara Ruda

Fr, 26. März 2021

Lörrach

Hauptversammlung der Stadtmusik erstmals online / Rückblick auf ein einzigartiges Jahr / Nachwuchsbereich bereitet große Sorgen.

Die verschobene Hauptversammlung der Stadtmusik im Jahr 2020 war bereits eine Premiere: Sie fand ganz ohne Musik statt. Die aktuelle am Dienstagabend ging samt Wahlen und Abstimmungen online über die Bühne – auch wieder eine Premiere. Der wiedergewählte Vorsitzende Daniel Gramespacher blickte auf ein Jahr zurück, wie es in der Geschichte der Stadtmusik wohl einzigartig sein dürfte. Die Corona-Pandemie bestimmte es.

. Im Blickpunkt: In seinem Bericht konzentrierte sich der Vorsitzende weitgehend auf diesen Faktor, der das Vereinsleben seit gut einem Jahr bestimmt und dies wohl noch einige Zeit tun wird: die Corona-Pandemie. Die größte Sorge bereite der Nachwuchsbereich. Man habe keine Möglichkeit gehabt, die Kontakte zu Musikschulen und Schulen zu pflegen. Bläserklassen habe es gar keine gegeben. "Wir haben ein Jahr verloren", konstatierte Daniel Gramespacher. Man werde bei den Jugendlichen Abgänge zu verzeichnen haben, die eine Lücke reißen. Wie groß diese ausfalle, hänge davon ab, wie sich die Pandemie entwickle. Beim im Vorjahr aus Orchester-Kids und Orchester-Teenies zusammengelegten Jugendorchester werde es "ganz schwierig, an irgendwas anzuknüpfen".

Dirigent Uli Winzer bestätigte dies. Gerade habe seine letzte Schülerin, die er seit der dritten Klasse unterrichtete, den Bettel hingeworfen, weil sie keine Motivation mehr hatte, alleine zu üben. Stadtmusik-Präsident und Oberbürgermeister Jörg Lutz betonte in seinem Grußwort, nach der Pandemie ein besonderes Augenmerk darauf legen zu wollen, die Jugendlichen neu zu motivieren.

Rückblick: Der Rückblick des Vorsitzenden zeigte, dass mehr lief als man annehmen würde. Das Jahreskonzert Ende Januar konnte normal stattfinden. Statt ein Klagelied mit dem immer wiederkehrenden Refrain "keine..." ("keine Konzerte, also auch keine Einnahmen, dafür aber fixe Kosten" ) anzustimmen, konzentrierte sich Daniel Gramespacher auf die Devise, der die Stadtmusik nach dem ersten Lockdown stets gefolgt war: "Wir versuchen das Beste draus zu machen."

In finanzieller Hinsicht erwies sich das als erfolgreiches Motto, denn Schatzmeister Benedikt Walter meldete ein Plus von etwa 2000 Euro in der Kasse, auch weil das Stadtmusikheim vermietet werden konnte. Neben der Sommerserenade im Rosenfelspark, bei dem Jugend- und Aktivorchester 250 Besucher begeisterten, gab es kleine Aktivitäten, auch wenn keine Proben von Jugend- und Hauptorchester erlaubt waren. Fünf Blechbläser aus zwei Familien taten sich zusammen und studierten ein kleines Programm mit adventlicher und weihnachtlicher Musik ein. Zwei Väter aus dem Hauptorchester und ihre Söhne waren am Nikolaustag sowie an Heiligabend unterwegs und spielten für die Bewohner mehrerer Wohn- und Pflegeheime kurze Ständchen.

Ausblick: Bei aller Unsicherheit wegen der Pandemie gibt es bei der Stadtmusik Planungen für das laufende Jahr, zum Beispiel ein Muttertagskonzert im Rosenfelspark (9. Mai), das Quartierfest, vielleicht in angepasster Form, an Christi Himmelfahrt (13. Mai) und ein Konzert im Rosenfelspark am 4. Juli mit dem Chor New Formation der Singgemeinschaft Lörrach. Ulrich Winzer hat bereits ein Programm für ein Konzert mit je einem großen Holz- und Blechbläserensemble zusammengestellt. Man hofft, es bald einstudieren und aufführen zu können. Für das Adventskonzert und das Jahreskonzert wird die Stadtmusik wohl auf die Programme zu den Themen "Psalmen" und "Mobilität" zurückgreifen, die sie im Dezember 2020 und Januar 2021 nicht aufführen konnte.

Wahlen (per Umfragetool): Daniel Gramespacher (Vorsitzender), Benedikt Walter (Finanzen/Stellvertretende Vorsitzender), Alexander Ziegler (Organisation), Lily Winzer (Jugendarbeit), das Ressort Marketing blieb unbesetzt.

Mitglieder: 231 (passiv), 52 (aktiv).