Kabarett in St. Blasien

Über E-Biker, Quadfahrer und Nacktwanderer

Cornelia Liebwein

Von Cornelia Liebwein

Di, 11. Oktober 2022 um 13:54 Uhr

St. Blasien

Quadfahrer, Nacktwanderer und auch Mountainbiker – im Programm "Ein Wilderer-Abend" beleuchtet Martin Wangler viele Trends. Dem Publikum in St. Blasien-Albtal hat es gefallen.

Eine Bühne mit Tännchen, wenige Requisiten und zwei Instrumente – das benötigte Musikkabarettist Martin Wangler als Wilddieb Fidelius Waldvogel, der am Samstagabend auf Einladung des Musikvereins Albtal in der beinahe vollen Albtalhalle in Immeneich sein Programm Wilderer-Abend zeigte. Als auch noch verbale Schlagkraft und Witz hinzukamen, war die Begeisterung des von ihm ohnehin bestens unterhaltenen Publikums noch größer.

"Mein Vater muss ein großer Wilderer gewesen sein, denn ich bin es auch", sagte er. Der Gang war federnd, die Hände und Augen unablässig in Bewegung. Natürlich und lebhaft präsentierte er seine Geschichten und erzählte nicht nur aus dem Dasein eines Wilderers, immer unterlegt mit dem schnarrenden Charme seines alemannischen Akzents. "Alemannisch ist en vogue seit der Pressekonferenz von Christian Streich".

Unlängst, machte er deutlich, saß er wieder einmal ruhig im Wald. "Da musst du Beamter sein", stellte er ironisch Richtung Jäger fest, "sonst kannst du sowas nicht, nur beobachten und nichts schaffe". Die hätten da ihren Zweitwohnsitz und würden warten bis etwas zum Schießen kommt, mit Küche, Klo und Klopapier. "Wir Wilderer", rief er resolut, "wir sind die wahren Männer im Wald. Wir bewegen uns nicht. Auch wenn die Füße langsam von der Kälte absterben. Nur so wirst du Fotomodel für Wolfskin". "Wir putzen unsere Füdele mit einer "spitzigen Rottanne", unterstrich er mit erhobenem Zeigefinger. "Was meinste wie das stupft", meinte er verschmitzt.

Schnell war offensichtlich, die Anwesenden waren bald vom Energiebündel vor sich angesteckt worden. Gerne ließen sie zu, dass sie in die Welt von Fidelius Waldvogel eintauchten, und vertrauten sich und ihr Zwerchfell ihm vollends an. In seiner entspannten Art nahm er sein Publikum locker mit und lud es ein, Teil des Programms zu sein, beim Mitsingen etwa: Die Männer singen den Refrain, die Frauen "hajo", das passe auf alles.

Was heutzutage alles im Wald unterwegs sei, schielte er auf ein weiteres Thema, Luftschnapper, Wanderer, Radfahrer und E-Biker, die habe er ja "voll gfresse". Wenn sie dort hochfahren und sich ausbreiten, denen "klau ich als den Akku". Oder die Quadler, die bräuchten vier Räder, damit sie nicht umfliegen. "Aus der ganzen Welt kommen sie jetzt zu uns in den Black Forrest, viel Schweizer", stellte er fest und fuhr nach einer Pause fort: "Mohammedaner, Israelis, Hinduisten, Buddhisten und ich hab sogar schon Nudisten gesehen, ja das ist der neueste Trend, Nacktwandern im Höllental".

Apropos Wanderer, es habe noch nie so viele Wanderer im Schwarzwald gegeben, wie jetzt. "Die rennen mit den Flip-Flops oder Badelatschen durch den Wald". Da müsse ein Wolf nur husten, dann würden die Angst kriegen, davonrennen, stolpern und schon habe das Raubtier einen touristischen Leckerbissen und die Bergwacht müsse nicht mehr so viel rausfahren.

"Wie heißt der Schutzheilige der Wilderer", wollte er vom Publikum wissen und gab gleich selbst die Antwort: der Kuckuck. "Hän ihr gwisst, dass der Kuckuck bis nach Südafrika geflogen ist, durch den Klimawandel aber nur noch bis Griechenland fliegt?" Also man könne sagen, er würde auch nur noch halbtags schaffen. Flugschein zahlen, Hausaufgaben machen, alles würden andere für ihn erledigen und was würden die Schwarzwälder machen, sie würden ihn in ein Kästchen an der Wand kleben.

Und als Fidelius Waldvogel verriet, dass er sich zum Waldbademeister und zur Kräuterfrau habe weiterbilden lassen, machte er die Halle zur Begegnung des Frohsinns. Das Publikum bedankte sich mit tosendem Applaus.