Übermutter Josephine

Lia Petridis Maiello

Von Lia Petridis Maiello

Sa, 02. Februar 2013

Panorama

Jean-Claude Baker gehörte zur Regenbogenfamilie der legendären "Schwarzen Venus" / Sein Restaurant in New York trägt ihren Namen.

Es gibt Sehnsuchtsorte, an die man immer wieder zurückkehrt. Weil sie schön sind und exotisch. Oder das genaue Gegenteil. Vielleicht sind sie in ihrer augenfälligen, ersten Fremdheit zur Heimat geworden. Hinter der schweren Tür zum "Chez Josephine" im New Yorker Theaterdistrikt jedenfalls verbirgt sich einer der letzten Orte dieser Art in der Millionenmetropole, er repräsentiert das bohèmehafte New York, das New York des Jean-Claude Baker.
"Na, komm herein, mein Schatz, ich habe einen schönen Tisch für Dich." Baker spricht Deutsch mit Leidenschaft und einem schweren, französischen Akzent. Baker trägt einen großen Namen. Die erste schwarze Künstlerin von Weltruhm, Josephine Baker, wird 1957 zu seiner "Mutter" und zu der Vertrauensperson, die er niemals hatte. Unabhängig, unverblümt, erfolgreich und meistens abwesend war sie, "ihre direkte Art zog mich ungemein an", erklärt Baker rückblickend. "Ich habe einen Mutterkomplex", gesteht er. "Josephine war für mich die Mother Superior, die Übermutter. Du musst verstehen, dass meine leibliche Mutter eine sehr unterwürfige, schwache und passive Frau war. Josephine hätte nicht konträrer sein können!"
Die "kreolische Göttin", die "schwarze Venus", wie ihre zahlreichen Verehrer Josephine Baker nannten, hatte in den 1920er Jahren den Tanz im Bananenrock legendär gemacht. Sie war zum Sexsymbol und zur Unternehmerin in einer Zeit avanciert, als schwarze Frauen in den USA meistens noch in weißen Haushalten als Zimmermädchen oder Haushälterinnen dienten.
Josephine Baker, 1906 in einem afro-amerikanischen Elendsviertel in St. Louis im Mittleren Westen der USA geboren, verlässt mit zwölf Jahren ohne einen Abschluss die Schule und lebt auf der Straße. Sie schläft in Pappkartons und isst aus Müllcontainern. Ihren Lebensunterhalt verdient sie ...

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