Ausstellung "Licht als Phänomen"

Umwege durch Algorithmen

Herbert M. Hurka

Von Herbert M. Hurka

Do, 04. April 2019 um 11:00 Uhr

Kunst

Vielfältige Werkgruppen: Fabian Gatermanns Einzelausstellung "Licht als Phänomen" in der Stiftung für Konkrete Kunst in Freiburg.

Sich aufs Mysterium Licht einzulassen, zwingt einen Künstler geradezu, sich technischer Medien zu bedienen. So überrascht es, dass die der Konkreten Kunst verpflichtete Freiburger Galerie Phleps mit Fabian Gatermann einen Künstler präsentiert, der die dogmatischen Grenzen des Genres überdehnt. Andererseits leuchtet es ein, dass ein so ausgreifendes Thema wie "Licht als Phänomen" das reduzierte Formenrepertoire der Konkreten Kunst überfordern muss. Vielfältig fallen daher die Werkgruppen aus, die sich dem Phänomen nähern.

Als erstes zu entdecken sind die Wandobjekte "LightEdge" aus Acrylglasquadern, deren Beschichtungen das Licht zu Farbspielen zerlegen. Bei "Lense Flare", dem anderem Arrangement auf physikalischer Basis, erzeugt ein Satz runder Linsen den Effekt einer polychromen Farbröhre. Im Gegensatz zu diesen dynamisierenden Wandobjekten fixieren Fotografien die Lichteffekte zu statischen Bildern. Was auf den Fotos erscheint, nimmt bis zur herkömmlichen Belichtung wie etwa bei den medientechnisch antiken Cyanotypien den Umweg durch wissenschaftlich entwickelte Algorithmen, mit deren Hilfe physikalische Lichtprozesse sich in graphische Muster übersetzen lassen. Allerdings zeigt sich an diesen als ätherische Schleier ins Dunkel entschwebenden Geflechten aus dem Computer, dass eine Kunst, die sich so vorbehaltlos dem Licht verschreibt, mal schnell ins Esoterische abdriften kann.

Prosaischer lassen sich die handgearbeiteten Collagen im Erdgeschoss an, die sich mit Fragen der Reihung, Ordnung und Struktur beschäftigen. "Wimmelbild" heißt ein aus mindestens 2000 französischen Briefmarken geklebtes Raster, dem mit "Alutghama" von der Gegenwand ein gleich konstruiertes Flächenornament aus indonesischen Fahrtickets antwortet. Folgen diese Bilder noch einer streng geometrischen Rasterung, so fallen die Holzintarsien mit ihren unregelmäßigen Maserungen aus dem Formenkanon der Konkreten heraus, wobei die Jahresringe der beschichteten Baumscheiben als Metaphern der Zeit plakativ wirken.

Mit dem 1984 geborenen Fabian Gatermann wählt die Stiftung Roland Phleps bewusst einen Künstler, dessen ideenreiches Werk sich nicht zuletzt Studiengängen der Lichtkunst und des Designs verdankt, also Voraussetzungen mitbringt, die für das Genre eher untypisch sein dürften. Dass diese Arbeiten die selbstgesetzten Grenzen der Stiftung untergraben, weckt zumindest Neugier für künftige Ausstellungen.

Bis 5. Mai, So 11 bis 13.30 Uhr.