Klimawandel

Umweltministerin Schulz in Freiburg: "Horrorszenarien bringen nichts"

Paula Löffler

Von Paula Löffler

So, 18. August 2019 um 09:55 Uhr

Freiburg

Der Sonntag Am Freitag war Umweltministerin Svenja Schulze beim Bürgerdialog in Freiburg zu Gast. Vor rund 50 Zuschauern auf dem Platz der Alten Synagoge warnte sie vor Schwarzmalerei.

Trotz des schlechten Wetters versammeln sich am Donnerstag gegen 8.30 Uhr etwa 50 Menschen am Platz der Alten Synagoge in Freiburg. Viele tragen die bekannten "Atomkraft? Nein Danke"-Flaggen, Fridays-for-Future-Schilder mit Aufschriften wie "Tell the Truth" sind zu sehen und grüne Greenpeace-Jacken. Anlass ist der Bürgerdialog mit Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD), die sich auf ihrer Tour auch in Freiburg blicken lässt. Begleitet wird sie von den Bundestagsabgeordneten Gabi Rolland und Johannes Fechner.

"Wir sind die letzte Generation, die noch handeln kann, um eine Erhöhung der Temperaturen bis zu sechs Grad zu verhindern", sagt Svenja Schulze. Handeln will die Ministerin mit einem Kohleausstieg bis 2038, und auch einer langsam ansteigenden CO2-Besteuerung steht sie nicht kritisch gegenüber. Durch eine Klimaprämie sollen im Fall einer CO2-Steuer die Verluste für kleinere und mittlere Einkommen ausgeglichen werden, sagt Schulze. Eine Kerosinsteuer, um den Flugverkehr zu reduzieren, hält die Ministerin aber nicht für nötig, denn: "Der einfachste Weg geht in Europa über eine Flugverkehrsabgabe." Damit habe man bis jetzt gute Erfahrungen gemacht, betont Schulze.

Applaus erntet die Ministerin, als sie sagt: "Atomstrom ist für mich keine Alternative und muss auch im Dialog mit anderen Ländern in ganz Europa vom Netz genommen werden." Eindringlich fordert sie den Ausbau erneuerbarer Energien: "Diesen Sommer bestand unsere Stromversorgung schon zu 40 Prozent aus erneuerbaren Energien. Das muss sich unbedingt steigern."

In der anschließenden Diskussionsrunde wird deutlich, dass Schulzes Umweltpläne vielen Zuhörern nicht ausreichen. So fordert ein Mitglied der Fridays-for-Future-Bewegung einen früheren Ausstieg aus der Kohle, auch andere Teilnehmer verlangen mehr klimapolitische Durchsetzungskraft von der Ministerin. Diese entgegnet: "Bei Kohle muss man Kompromisse schließen. Wenn wir es schneller als 2038 schaffen, aus der Kohle auszusteigen, dann machen wir das auch schneller." Auf jeden Fall aber müssten effektivere Alternativen zu den Kohlekraftwerken entwickelt werden.

"Was bedeutet es für meine Tochter, wenn die Klimaziele nicht erreicht werden?", fragt ein junger Vater. Dieser Frage weicht Schulze zum Ärgernis vieler Aktivisten aus: "Wenn man jetzt noch handelt, dann werden wir unser Ziel erreichen. Horrorszenarien bringen uns nichts." Enttäuscht wendet sich eine kleine Gruppe von Zuhörern ab und diskutiert unter sich weiter.

Dass das Erreichen der Klimaziele einiges kosten wird und dementsprechend von vielen Teilnehmern nach der Zukunft ihrer Rente oder der schwarzen Null gefragt wird, scheint Schulze nicht zu überraschen: "Deutschland wird, wenn wir alle nicht handeln, zukünftig eine Menge an Verschmutzungsrechten von anderen Ländern kaufen müssen." Wenn also jetzt investiert wird, könne man sich teure Emissionslizenzen sparen.

Wenn am 20. September das Klimakabinett seine Konzepte zur Senkung der Treibhausgasemissionen vorlegt, wird sich zeigen, wie genau die Klimaziele in Deutschland umgesetzt werden sollen. An dem Tag findet auf dem Platz der Alten Synagoge auch der nächste große Klimastreik von Fridays for Future statt. Paula Löffler