UNTERM STRICH: K(l)eine Kontakte knüpfen

Ronja Vattes

Von Ronja Vattes

Do, 07. Januar 2021

Unterm Strich

Bewegung in Corona-Zeiten: Warum Falträder die besseren Hunde sind / Von Ronja Vattes.

Da sitzen wir nun also alle brav zu Hause, als Familie, Pärchen oder Single. Knabbern Kekse, gucken fern – und ja, geben wir es ruhig zu, langweilen uns mitunter. Der Außenkontakt fehlt. Manch einer mag da in Versuchung kommen: Einen Hund zu haben, das hätte jetzt doch Vorteile. Der ist süß, lässt sich kuscheln und jagt den trägen, inneren Schweinehund vom Sofa runter und raus in die Natur. Schließlich geht das viele Kekse knabbern und Netflixen auch echt auf die Hüften.

Gassi Gehen ist selbst im Lockdown erlaubt und man käme ganz locker mit anderen ins Gespräch. "Hach, ist der süß!" Ein leises Hundeknurren als Antwort, zack! – schon ist der erste Teil der AHA-L-Regel wieder eingehalten: Abstand! Gelüftet (L) werden wir beim Gassigehen sowieso und eine Alltagsmaske (A) hätten wir in Form eines dicken Wollschals im Winter eh parat.

Nur das mit dem H wie Hygiene, ist ein Problem, Hunde sind anspruchsvoll: Heben in den unpassendsten Momenten das Bein, hinterlassen Häufchen, kriegen Flöhe, machen einem nachts den Platz im Bett streitig (von wegen Abstand!). Nein, dann doch lieber ein Klapprad.

Ein – in meinem Fall – quietschgrünes Faltrad eines britischen Herstellers (der aus naheliegenden Gründen hier natürlich nicht genannt werden darf), der aber diese minimalistischen Dinger produziert, bei denen sich das Hinterrad mit sanftem Klack elegant unter den Rest zwirbelt und am Ende das Rad aus einem kompakten Köfferchen besteht – dieses Ding ist der perfekte Hundeersatz.

Am Bahnsteig, vor dem Bäcker oder sonstwo einfach das Rad zusammenfalten und der Kontakt ist geknüpft: "Hach, ist das süß!" – "Haben Sie das schon lange?" Bewegung, frische Luft, alles wie beim Hund. Dafür pinkelt es nicht, hinterlässt keine Häufchen, eignet sich selbst für Tierhaarallergiker und braucht kaum Pflege. Zu wenig Kuschelfaktor? Fellüberzug auf den Sattel, ab und an kraulen, dazu leise bellen – ähm, ja, schon halten auch die Zuschauer wieder genügend Abstand.