UNTERM STRICH: Partnerin Waschmaschine

Niklas Arnegger

Von Niklas Arnegger

Do, 18. Juni 2020

Kolumnen (Sonstige)

Die Digitalerotik im Homeoffice hat noch ihre Tücken / Von Niklas Arnegger.

Vor allem Ältere überfällt gelegentlich die Ahnung, dass die wichtigen und spannenden Dinge im Leben womöglich doch eher analog ablaufen. Wir reden hier etwa vom Tod. Und von der Geburt – und den diesbezüglich üblicherweise vorausgehenden, aus der Bienenkunde bekannten Vorgängen im zwischenmenschlichen Bereich. Sogar Jüngeren schwant was in ihren helleren Momenten, worüber sie dann – "echt krass!" – sehr erstaunt sind.

Letzteres allerdings nicht häufig, denn dazu müssten sie den Blick vom Smartphone wenden – wozu ihre Nackenmuskeln meist nicht kräftig genug sind. Auch die Mädels und Jungs aus der Internetbranche werden kaum von derlei Phantasien heimgesucht. Und wenn, dann reagiert ihr digitalisiertes Oberstübchen mit hochgradiger Verstörung.

Nun existieren im Kosmos dieser Menschen Apps, mit deren Hilfe Erwachsenenspielzeug zur Förderung der genannten bienenkundlichen Vorgänge gesteuert wird. Deshalb sehen sie sich gezwungen, widerwillig aus dem digitalen ins wirkliche Leben aufzutauchen und zu versuchen, eine möglichst harmonische Verbindung zwischen beidem zu schaffen. Was macht man nicht alles, wenn’s der Absatzförderung dient. Der "führende Hersteller von appsteuerbaren Sextoys" wollte nun in einer globalen Umfrage erfahren, wie es um die Erotik im Homeoffice bestellt ist und wie diesbezüglich die Erfahrungen mit modernen Technologien so sind. Auch 1000 Deutsche seien befragt worden. Ergebnis: Die Waschmaschine sei das Haushaltsgerät, "welches die Deutschen (Frauen und Männer) am stärksten sexuell anspricht". Auch der Duschkopf spiele in diesem Zusammenhang eine bedeutende Rolle sowie das selbstfahrende Auto. Dieses könne für sexuelle Tätigkeiten benutzt werden, um die "Fahrzeit effektiver zu nutzen". Vordigital sangen ja schon die Beatles: "Why don’t we do it in the road". Noch aber fährt das Auto nicht alleine, so dass wir wohl oder übel mit der Waschmaschine vorliebnehmen müssen.