UNTERM STRICH: Schafsauge, sei wachsam

Manuela Müller

Von Manuela Müller

Mi, 26. August 2020

Unterm Strich

Wie auf den Hintern gemalte Augen Raubtiere abhalten können / Von Manuela Müller.

Der Wolf hat seinen Weg zurück in den Schwarzwald gefunden. Das freut die Tierschützer: "Juhu, eine bedrohte Art erobert sich ihren Lebensraum zurück." Weniger erfreut das aber die Landwirte und Schäfer vor Ort: "Oh, nein, wie können wir das Raubtier von unseren Herden fernhalten?" Von der Landesregierung werden daher teure Maßnahmen zum Schutz der Schafe und Ziegen im Schwarzwald in Aussicht gestellt – hohe Zäune zum Beispiel.

Eine kostengünstigere Alternative könnten wir uns allerdings in Afrika abschauen, genauer gesagt in Botswana. Dort wurden Rindern große Augen aufs Hinterteil gestempelt. Das sollte Löwen und andere Raubtiere davon abhalten, die Herdentiere zu reißen. Auf die Idee kam der Biologe Neil Jordan von der Universität New South Wales in Australien. Schließlich ist das Täuschen eine bekannte Taktik in der Natur. Mit unechten Riesenaugen schmücken sich zum Beispiel Schmetterlinge, Fische, Vögel, aber auch Waldarbeiter in Indien. Letztere binden sich Masken mit Gesichtern an den Hinterkopf, um nicht von Tigern von hinten angefallen zu werden.

Nach einer kleinen Erprobung wurde das Kuhaugen-Projekt nun vier Jahre lang an mehr als 2000 Herdentieren in Botswana ausprobiert. Das Ergebnis: Von den mit Augen bemalten Rindern wurde kein einziges getötet, von denen ohne Bemalung ließen 15 ihr Leben. Die Vermutung der Forscher lautet, dass sich die Raubtiere nicht mehr an ihre Beute herantrauen, wenn sie sich entdeckt fühlen.

Ob sich so auch Schwarzwälder Wölfe davon abhalten ließen, ihre Zähne ins Schafsfleisch zu hauen, wäre einen Versuch wert. Wobei sich die Frage stellt, wie die Herdenkollegen wohl auf die großen Augen an der falschen Stelle reagieren würden. Schafe sind ja eher schreckhafte Tiere. Würde dadurch der Fluchtinstinkt geweckt, könnte das womöglich einen weiteren Vorteil bringen: die völlige Verwirrung des Wolfes, wenn die wollige Beute vermeintlich rückwärts rennt.