UNTERM STRICH: Sogar Lourdes setzt aufs Internet

Knut Krohn

Von Knut Krohn

Mo, 12. Oktober 2020

Unterm Strich

Der französische Wallfahrtsort liefert seine Kerzen jetzt nach Hause / Von Knut Krohn.

Lourdes wagt den Schritt ins 21. Jahrhundert, hinein ins Internetzeitalter. Ganz freiwillig geschah das nicht, Überzeugungsarbeit hat das Coronavirus geleistet. 80 Prozent weniger Pilger haben pandemiebedingt dieses Jahr die weltberühmte Grotte am Rand der französischen Pyrenäen besucht. Schon vorher konnten Gläubige aus aller Welt zuhause am Rechner eine Messe bestellen oder spenden, doch wegen des drastischen Besucherrückgangs sind die Verantwortlichen des Wallfahrtsortes nun einen Schritt weitergegangen: mit einem Online-Handel für ihre traditionellen Kerzen.

Seit 1928 werden in der kleinen Werkstatt von 15 Mitarbeiterinnen Kerzen hergestellt. "Le Cierge de Lourdes" ist eine eingetragene Marke, die Produkte sind an ihrem "Marienblau" zu erkennen. Jedes Jahr werden zwischen 300 und 500 Tonnen Kerzen von Hand produziert. Vor drei Jahren habe man im Internet eine Seite mit einer Art "Showroom" online gestellt, wo die Kerzen zumindest angesehen werden konnten, sagt die Verkaufsleiterin Catherine Cervantes. Da sei deutlich geworden, dass nicht nur Kirchengemeinden oder Schulen, sondern auch viele Privatleute Interesse an den Produkten zeigen würden. Also kann man nun "Le Cierge de Lourdes" auch einzeln, zum Beispiel für Taufen, zur Kommunion oder Hochzeit bestellen.

Der 14 000-Seelen-Ort hat wegen Corona schwere Monate hinter sich. Erstmals in seiner Geschichte war das Marienheiligtum, wo sich Jahr für Jahr Millionen Pilger drängeln, über mehrere Monate geschlossen worden. Im Sommer stieg die Besucherzahl langsam wieder, doch müssen weiter große Menschenansammlungen vermieden werden.

Als Alternative zum üblichen Waschritus für Kranke in Lourdes, dem Baden in Quellwasser, schuf der Wallfahrtsort einen neuen Pilgerweg entlang der Becken. An dessen Ende können Besucher Lourdes-Wasser trinken und sich damit das Gesicht waschen. Das rituelle Baden bleibt allerdings verboten.