UNTERM STRICH: Todesangst vor versteckter Kamera

Karim El-Gawhary

Von Karim El-Gawhary

Mo, 10. Mai 2021

Unterm Strich

Irakische Sender überbieten sich derzeit mit Geschmacklosigkeiten / Von Karim El-Gawhary.

Eine Frau wird im Irak von einem IS-Kommando entführt. Es ist die bekannte irakische Schauspielerin Nessma. Ihr werden die Augen verbunden. Sie schreit in Panik. Um sie herum sind Schüsse und Explosionen zu hören. Als man ihr einen Sprengstoffgürtel umlegt, bricht sie endgültig schluchzend zusammen. Das ist der Moment, in der ihr die Augenbinde weggenommen und ihr erklärt wird, dass sie in Sicherheit sei. Denn bei dem Ganzen handelt sich um eine "Versteckte-Kamera-Show". Aber auch das beruhigt sie nicht mehr. Sie sitzt am Boden und hört nicht mehr auf zu schreien.

Das war eine Episode der Show "Raslans Knall", die vor kurzem im irakischen Fernsehen lief. Sie ist Teil der alljährlichen Ramadan-Unterhaltung. Denn abends, nachdem das Fasten gebrochen ist, regiert überall in der arabischen Welt das Fernsehen. Die Menschen wollen mit speziell für den islamischen Fastenmonat produzierten Seifenopern und Shows unterhalten werden. Programme mit versteckter Kamera gehören dabei zum festen Repertoire. Oft werden bekannte arabische Stars an der Nase herumgeführt. Doch dabei gab es in den vergangenen Jahren eine regelrechte Aufrüstung.

Was die Menschen vor der versteckten Kamera aushalten müssen, wird immer geschmackloser und ist für die Opfer der Streiche oft traumatisch. Die Sendung "Raslans Knall" hat vermeintliche Operationen der Terrormiliz Islamischer Staat zum Thema, bei denen irakische Stars vor laufender Kamera entführt werden.

Das ging jetzt selbst dem an derbe Scherze gewöhnten irakischen Publikum zu weit. Nicht wenige Menschen im Land sind bis heute vom IS und dessen Machenschaften im Land traumatisiert. Ihre Appelle haben inzwischen bei den irakischen Behörden ein offenes Ohr gefunden. Die Show "Raslans Knall" wurde nun offiziell verboten. In ein paar Tagen wird es mit den Auswüchsen im Kampf um höhere Ramadan-Einschaltquoten ohnehin vorbei sein – wenn der Fastenmonat zu Ende geht.